Rezension: Sarah Vaughan -Die Zutaten des Glücks ***

Werdet ihr auch häufig von bestimmten Buchcovern angezogen? Bei mir sind es türkis-pink-farbige Bücher. Das zum Beispiel, das oder das. Deshalb bin ich auch hier schwach geworden, obwohl mich der Inhalt auf den ersten Blick gar nicht wirklich ansprach.

Es geht um einen Backwettbewerb, das Schicksal einer gefeierten Backbuchautorin der 1960er-Jahre und die Lebensgeschichte der Teilnehmer des Wettbewerbs. Da ist Jenny, Mutter dreier erwachsener Töchter, die in den letzten Jahren einige Kilos zugelegt hat. Ihr Mann hingegen trainiert für den Pariser Marathon und betrügt sie mit ihrer Freundin.  Vicki, Grundschullehrerin in Elternzeit, zweifelt an ihren Fähigkeiten als gute Mutter. Die alleinerziehende Claire bringt sich und ihre kleine Tochter mit ihrem Job als Supermarktkassiererin über die Runden, und kann sich die Backzutaten kaum leisten. Karen versucht durch ihren Perfektionismus gleich mehrere Familiengeheimnisse zu vertuschen. Und zu guter letzt Mike, der den Tod seiner Frau nur langsam verarbeitet.

Der Anfang des Buches wird dominiert von der Backleidenschaft und die Erzählungen der Frauen kommen nur langsam in Fahrt. Zum Glück ändert sich das Verhältnis gegen Ende, die Geschichten gewinnen an Tiefe und Gefühl, so dass das Backen in den Hintergrund gerät. Gut gefallen hat mir, dass es kein klassisches Happy End mit rosa Zuckerwatte gibt, sondern ganz subtil angedeutet wird, wie das Leben der Protagonisten nach der Verkündung des Gewinners weitergeht.

Bildquelle: Bastei Lübbe AG

Advertisements

Rezension: Katherine Pancole – Die gelben Augen der Krokodile ****

Familiengeschichten funktionieren in der Literatur eigentlich immer. Dass das auch amüsant und kreativ geht, beweist Katherine Pancole schon mit den Titeln dieser Trilogie. Nach „Die gelben Augen der Krokodile“ folgen „Der langsame Walzer der Schildkröten“ und „Montags sind die Eichhörnchen traurig“.

Alle drei Romane drehen sich um Joséphine, die sich – gerade frisch getrennt von ihrem Ehemann –  mit den beiden Töchtern mehr schlecht als recht durchschlägt. Rettung naht, als ihre Schwester Iris, die ein tristes Leben an der Seite ihres stinkreichen Ehemannes führt, auf die Idee kommt ein Buch zu veröffentlichen. Da Iris zwar nicht schreiben, sich aber gut in Szene setzen kann, ist schnell klar, dass Joséphine als Ghostwriter herhalten muss. Überraschend wird das Buch zum Erfolg und stellt damit das Leben aller Beteiligten auf den Kopf. Und nicht nur das. Auch Joséphines Noch-Ehemann versucht sich als Geschäftsmann, ihre Mutter drangsaliert den Stiefvater, die aufmüpfige Tochter macht ihr das Leben schwer und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Mann aus der Bibliothek.

Diese familiären Verflechtungen werden auf 600 Seiten wunderbar unterhaltsam erzählt. Alle Personen, die sich langsam und nachvollziehbar weiterentwickeln, sind mit ihren Stärken und Schwächen vielschichtig charakterisiert. Abstriche gab es für mich lediglich beim haarsträubenden Familiengeheimnis von Joséphines bester Freundin Shirley und, dass Mick Jagger plötzlich aus auf Joséphines Tochter abfährt. What the fuck?! Aber das geht ja vielleicht noch als künstlerische Freiheit durch. Nicht zu ignorieren sind allerdings die Fehler in der Übersetzung. Plötzlich wechselt die Anrede innerhalb eines Absatzes, zwei Personen, die die Nächte miteinander verbringen, siezen sich, und dann zieht sich auch noch der ewige Dasselbe-und-das-Gleiche-Fehler durch das gesamte Buch.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH