Rezension: Melissa Bank – Dinge, die Frauen aus Liebe tun *

Sophie, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in einem Vorort von Philadelphia, zieht nach dem College nach New York City. Dort hangelt sie sich unmotiviert von Job zu Job, und auch in Sachen Beziehung läuft es mehr schlecht als recht. Was sich nach einem typischen Girl-in-the-City-Roman anhört, entpuppte sich leider als langweilige Aneinanderreihung bedeutungsloser Episoden aus Sophies Leben.

Es gab wirklich nichts, womit die Autorin versuchte einem Sophie nahe zu bringen. Sie hat keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern oder Geschwistern. Sie sorgt sich um ihren Bruder, lässt aber keine Taten folgen. Sie sagt sie liebt ihren plötzlich auftauchenden Freund (der vorher nicht in die Handlung eingeführt wurde), das merkt man jedoch nicht. Sie hat seit der Schulzeit eine beste Freundin, der sie aber nicht nahe ist. Sie betont immer wieder wie wichtig ihr der Job ist, und doch kommt sie ständig zu spät.

Diese Unentschlossenheit mag als Ausgangsbasis eines Buches gut geeignet sein. Als allerdings keine Entwicklung folgte, war ich einfach nur genervt.

Ähnlich oberflächlich wie Sophies Charakter dargestellt wurde, so unmotiviert ist das Umfeld der Protagonistin beschrieben. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, aber man erfährt außer den üblichen Bräuchen – wie koscheres Essen und Bar Mitzwa – nichts näheres über den Glauben. Schade um die Zeit, die für dieses oberflächliche Buch drauf gegangen ist.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

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Rezension: Graeme Simsion – Der Rosie-Effekt *****

Nachdem „Das Rosie-Projekt“ und die damit verbundene Suche nach einer geeigneten Ehefrau erfolgreich abgeschlossen ist, werden die Probleme für Don Tilman nicht weniger. Don, hochintelligent, Genetikprofessor, und für die normale Welt nicht geschaffen, wird Vater. Gewohnt wissenschaftlich und effizient nähert er sich dem menschlichen Reproduktionsprozess. Seine Recherche führt ihn auf einen New Yorker Spielplatz und damit direkt in Polizeigewahrsam. Nachdem er überzeugend erklärt hat, dass er kein Kinderschänder ist, assistiert er bei der Geburt eines Kalbs, um für den großen Tag der Geburt, gut vorbereitet zu sein. Völlig eingenommen von dieser Forschungsarbeit droht seine Beziehung zu Rosie jedoch zu zerbrechen.

Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Fortsetzungen, die fast nahtlos an ihren ersten Teil anknüpfen. Don und Rosie sind noch genauso sympathisch, verrückt und unterhaltsam. Und auch Dons bester Freund Gene sorgt wieder für einigen Wirbel. Wer sympathisch schräge Charaktere mag, sollte unbedingt „Das Rosie–Projekt“ und danach  „Der Rosie-Effekt“ lesen.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Lori Nelson Spielman – Und nebenan warten die Sterne ***

Wie auch schon im ersten Roman der Autorin, „Morgen kommt ein neuer Himmel“, geht es auch in ihrem dritten Buch um den Tod eines geliebten Menschen.

Kristen, Anfang 20, stirbt bei einem Zugunglück auf dem Weg zum College. Nach ihrem Tod stürzt sich ihre Mutter Erika in die Arbeit und macht Karriere um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen. Dadurch bekommt Erikas andere Tochter, Annie, immer mehr das Gefühl, dass ihre Mutter Kristen mehr geliebt hat bzw. immer noch liebt. Sie glaubt nämlich, dass die Schwester noch am Leben ist und in Paris lebt. Also macht sie sich auf die Suche.

Nach den erfolgreichen Romanen „Morgen kommt ein neuer Himmel“ und „Nur einen Horizont“ entfernt, hatte ich das Gefühl die Autorin und der Verlag nehmen alle Erfolgsfaktoren der ersten beiden Bücher, packen noch eine Schippe drauf und schon läuft das Ganze. Für mich wurden dadurch zu viele Themen auf einmal abgehandelt: die Trauer über den Unfalltod, die Schuldgefühle von Erika und Annie, alte Familienstreitigkeiten, Lebensweisheiten in Form von Sprüchen und Zitaten, eine Liebesgeschichte, das Zueinanderfinden von Mutter und Tochter und zu guter Letzt erhält Erika auch noch geheimnisvolle E-Mails. Dadurch blieb leider das Gefühl auf der Strecke, wodurch auch die Charaktere etwas hölzern und fremd wirkten.

Aber schließlich gibt es auch hierzu den passenden Spruch: Manchmal ist weniger mehr.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

 

Rezension: Cathleen Schine – Eine Liebe in Manhattan ****

Im Original heißt das Buch schlicht und einfach The New Yorkers und genau darum geht es auch. Von einer schmalzigen Liebesgeschichte keine Spur. Vielmehr geht es um Nachbarn einer Straße an der New Yorker Upper West Side. Wie in vielen Großstädten kennt keiner den anderen und doch sehnen sich alle danach Teil der Nachbarschaft zu sein und nach ein wenig Zusammengehörigkeit.

Da ist Jody, Ende 30 und unverheiratet, für die sich alles um ihre Hündin Beatrice dreht. Ihr Nachbar Everett mag Menschen nicht, ist geschieden und hadert damit, dass seine Tochter erwachsen ist und ohne ihn klarkommt. Simon, ein sehr zurückgezogener Mensch, freut sich das ganze Jahr auf seinen Jagdurlaub in Virginia. Die junge, lebensfrohe Polly kümmert sich statt um sich selbst nur um ihren Bruder George. George wiederum kümmert sich liebevoll um einen Hundewelpen. Überhaupt spielt das Thema Hunde eine große Rolle.

Stück für Stück werden so die Geschichten dieser New Yorker miteinander verknüpft, ohne dass ein roter Faden erkennbar ist. Viel mehr hat man das Gefühl stundenlang am offenen Fenster zu stehen und Polly, Jody, George und all die anderen amüsiert zu beobachten.

Bildquelle: www.cathleenschine.com

 

Rezension: Don Winslow – Missing. New York ***

Wenn Kinder verschwinden, ist das im realen Leben unfassbar tragisch, in Thrillern jedoch sehr spannend. In diesem Roman verschwindet die 7-jährige Hailey beim Spielen, als ihre Mutter sie für einen kurzen Moment aus den Augen lässt. Kurze Zeit später wird ein weiteres Mädchen entführt. Von ihm wird schnell die Leiche gefunden. Doch dem Polizisten Frank Decker lässt Haileys Fall keine Ruhe. Lebt sie noch? Da die Polizei das Mädchen aufgegeben hat, kündigt er seinen Job und ermittelt auf eigene Faust quer durch die USA, bis die Suche ihn schließlich nach New York führt.

Frank Decker erinnerte mich ein wenig an Lucky Luke, den einsamen Cowboy, der für Recht und Ordnung sorgt und dabei auf seinen Job, seine Altersvorsorge und die Ehe mit seiner Frau Laura pfeift. Dieser Alleingang, der schon fast zum Selbstfindungstrip wird, nimmt so viel Raum ein, dass das eigentliche, ernste Thema nur sehr oberflächlich abgehandelt wird. Einige zeitliche Lücken und die schlechte – zum Teil wortwörtliche – Übersetzung mit seltsamen sprachlichen Wendungen trugen ebenfalls dazu bei, dass der Thriller eher durchschnittlich ist und mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

Rezension: Jeannette Walls – Schloss aus Glas *****

Jeannette Walls hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche New Yorker Journalistin mit einem Apartment auf der 6th Avenue. Als sie eines Tages im Taxi sitzt, beobachtet sie, wie ihre Mutter nach Essensresten einen Mülleimer durchwühlt.

Hier beginnt ihre autobiografische Geschichte. Sie erzählt von einer abenteuerlichen Kindheit voller Freiheiten für Jeannette und ihre Geschwister, von großen Lebensträumen, denen die Eltern hinterherjagen, von unzähligen Umzügen, aufregenden Fluchten, aber auch von ständiger Armut, Hunger und Kälte.

Das war nach mehreren guten Büchern, die ich gelesen habe, endlich mal eines, das mich auch tief bewegt und nachhaltig beeindruckt hat. Zum einen war ich fasziniert von der Kreativität der Eltern, wenn mal wieder kein Geld da war. Zum anderen war ich zutiefst erschrocken darüber wie unverantwortlich und egoistisch Eltern sein können. Die Mutter ist entweder in einer depressiven Phase oder auf einem ihrer künstlerischen Selbstfindungstrips. Der Vater versäuft nicht nur das klägliche Einkommen, sondern bestiehlt auch noch die eigenen Kinder.

Trotz aller Missstände ist der Roman frei von Bitterkeit und erhobenem Zeigefinger. Jeannette Walls dankt ihren Eltern sogar für das was sie ist. Man fühlt wie sie – auch wenn sie inzwischen ihr eigenes, besseres Leben lebt – immer das Kind ihrer Eltern bleiben wird, das tief in ihrem Herzen an die Spinnereien des Vaters glaubt.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Shelle Sumners – Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde ****

Das nenn ich mal einen Titel. Im Original heißt der Roman schlicht und einfach Grace grows. Um die Entwicklung von Grace geht es auch. Zufällig lernt sie im Treppenhaus den Musiker Tyler kennen, der die Hunde ihrer Nachbarin ausführt, und sich mit Auftritten in Bars durchschlägt. Von diesem Tag an schreibt Tyler für Grace wundervolle Songs und gewinnt damit ihr Herz. Als er seinen musikalischen Durchbruch hat, werden Grace‘ Gefühle auf eine harte Probe und ihr Leben auf den Kopf gestellt.

Die im Buch erwähnten Songs gibt’s als passenden Soundtrack, da der Musiker, der dahinter steckt niemand geringeres ist, als der Ehemann der Autorin. Ziemlich cleveres Marketing aber auch irgendwie süß.

Gefallen hat mir das Buch richtig gut. Ich mochte die Story, die Charaktere und die Aussicht auf ein Happy End. Natürlich gibt es bis dahin noch das ein oder andere Drama. Besonders Grace macht es Tyler nicht leicht. Immer wieder hat sie Zweifel an seinen Gefühlen.

Ich mag es ja sehr, wenn Bücher in Büchern erwähnt werden, was auch hier der Fall ist. So ist unter anderem an mehreren Stellen im Buch die Rede von Grace‘ Lieblingsbuch Wer die Nachtigall stört, was ich vor kurzem das erste Mal gelesen habe und sehr mochte.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH