Rezension: Sarah Vaughan -Die Zutaten des Glücks ***

Werdet ihr auch häufig von bestimmten Buchcovern angezogen? Bei mir sind es türkis-pink-farbige Bücher. Das zum Beispiel, das oder das. Deshalb bin ich auch hier schwach geworden, obwohl mich der Inhalt auf den ersten Blick gar nicht wirklich ansprach.

Es geht um einen Backwettbewerb, das Schicksal einer gefeierten Backbuchautorin der 1960er-Jahre und die Lebensgeschichte der Teilnehmer des Wettbewerbs. Da ist Jenny, Mutter dreier erwachsener Töchter, die in den letzten Jahren einige Kilos zugelegt hat. Ihr Mann hingegen trainiert für den Pariser Marathon und betrügt sie mit ihrer Freundin.  Vicki, Grundschullehrerin in Elternzeit, zweifelt an ihren Fähigkeiten als gute Mutter. Die alleinerziehende Claire bringt sich und ihre kleine Tochter mit ihrem Job als Supermarktkassiererin über die Runden, und kann sich die Backzutaten kaum leisten. Karen versucht durch ihren Perfektionismus gleich mehrere Familiengeheimnisse zu vertuschen. Und zu guter letzt Mike, der den Tod seiner Frau nur langsam verarbeitet.

Der Anfang des Buches wird dominiert von der Backleidenschaft und die Erzählungen der Frauen kommen nur langsam in Fahrt. Zum Glück ändert sich das Verhältnis gegen Ende, die Geschichten gewinnen an Tiefe und Gefühl, so dass das Backen in den Hintergrund gerät. Gut gefallen hat mir, dass es kein klassisches Happy End mit rosa Zuckerwatte gibt, sondern ganz subtil angedeutet wird, wie das Leben der Protagonisten nach der Verkündung des Gewinners weitergeht.

Bildquelle: Bastei Lübbe AG

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Rezension: Mark Watson – Ich könnte am Samstag ***

Der Australier Xavier, der seit kurzem in London lebt, hat keine großen Ambitionen im Leben. Ab und zu nimmt er an Scrabble-Turnieren teil. Ansonsten hat er weder Freunde noch Interessen. Nachts moderiert er beim Radio eine Talkshow in der ihm noch einsamere und verzweifeltere Menschen ihr Herz ausschütten. Während er in seiner Show immer einen hilfreichen Ratschlag parat hat, ist er im wahren Leben oft unbeholfen und wenig selbstsicher. So traut er sich auch nicht einem Jungen zu helfen, der von seinen Mitschülern verprügelt wird, und setzt damit – ohne es zu wissen – eine Verkettung verschiedener Schicksale in Gang. Genau von diesen Aneinanderreihung lebt das Buch. Mal werden tatsächlich stattfindende Handlungsstränge miteinander verknüpft, mal werden sehr kreative Verbindungen z.B. über einen Geldschein, der den Besitzer wechselt, hergestellt. All diese kleine Anekdoten sind wunderbar amüsant und unterhaltsam zu lesen – mehr allerdings auch nicht. Die Handlung plätschert auf über 300 Seiten vor sich hin, bevor es im letzten Kapitel zum überraschenden Höhepunkt kommt. Doch schon nach kurzer Zeit wird man sich an dieses Buch wohl kaum erinnern.

Ein weiterer Minuspunkt geht auf das Konto des Verlages. Was sollen diese an den Haaren herbeigezogenen Hinweise (getarnt als Zitate) auf dem Buchcover wie „Wenn Sie ‚Zwei an einem Tag‚ von David Nicholls geliebt haben, dann ist das Ihr Buch!“? Weder der Inhalt ist vergleichbar, noch stammt das Buch vom selben Autor. Ganz im Gegenteil: der Vergleich weckt meist Erwartungen, die dann enttäuscht werden.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Juliet Ashton – Ein letzter Brief von dir ***

Als ich den Titel das erste Mal las, musste ich sofort an das Buch bzw. den Film „P.S. Ich liebe dich“ denken. Im Gegensatz dazu, geht es hier nicht um die große Liebe, die über den Tod hinaus geht, sondern darum, dass die Person, die man liebt nicht so ist/war, wie man immer geglaubt hat. Dies muß Orla auf schmerzliche Weise lernen. Am Valentinstag bekommt sie von ihrem Freund Sim eine Karte mit dem hoffentlich lang ersehnten Heiratsantrag. Im selben Moment, als sie den Umschlag vom Postboten bekommt, erfährt sie am Telefon, dass Sim tot auf der Straße zusammengebrochen ist. In tiefer Trauer fliegt sie nach London um seine Wohnung aufzulösen. Je mehr Zeit sie dort verbringt, umso weniger hat sie das Gefühl Sim gekannt zu haben.

So beginnt ein munterer Mix aus Rückblick auf die Beziehung der beiden, Sims Tagebucheinträge und der Gegenwart, in der sie sich immer mehr verändert.

Von Anfang an war klar, dass in der Karte kein Antrag war ( was für ihn spricht 🙂 ). Doch die Autorin versteht es, einen auf mehrere Irrwege zu lenken, bis es endlich zu Auflösung kommt.

Auf der Suche nach der Wahrheit und ihren Gefühlen ging mir die Protagonistin Orla ein wenig auf die Nerven. Immer wieder stand sie sich mit ihrem ewigen Gejammer und irrationalen Handeln selbst im Weg. Alle anderen Charaktere hingegen waren interessant und sympathisch dargestellt. Ich mochte den geheimnisvollen Marek, die Vermieterin Maude mit ihrem kleinen Buchladen und die rebellische Bogna, Orlas Schülerin. Daher geriet ich in einen gewissen Lesesog und habe das Buch an nur einem Wochenende gelesen. Darüberhinaus wird mir das Buch allerdings nicht groß in Erinnerung bleiben.

Bildquelle: Rowohlt Verlag GmbH

Rezension: Mhairi McFarlane – Vielleicht mag ich dich morgen ***

Wahrscheinlich kennt jeder die ein oder andere Flachpfeife aus der Schulzeit, der man auch noch nach Jahren gern mal die Meinung geigen würde. Anna hat es besonders hart getroffen. Früher war sie dick und hässlich. Deshalb war sie das perfekte Mobbingopfer. Die überflüssigen Pfunde hat sie inzwischen verloren, doch an Selbstbewusstsein wenig gewonnen. So traut sie sich auch nur zögerlich zum Klassentreffen. Als sie dort auf ihren größten Peiniger, James, und dessen besten Freund trifft und die beiden sie nicht erkennen, ergreift sie unter einem Vorwand die Flucht. Kurze Zeit später treffen Anna und James erneut aufeinander. Nach anfänglichen Reibereien verstehen sie sich immer besser. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die Vergangenheit einholt.

Wer leichte Chick Lit mag, ist hier genau richtig: Das hässliche Entlein wird zum schönen Schwan, und das Ekel aus der Schule entpuppt sich als netter Kerl. Mir kam die Wandlung allerdings etwas plötzlich. Auch die Entwicklung der Charaktere war für mich nicht erkennbar. Beide waren zwar sympathisch, blieben aber das gesamte Buch über ziemlich eindimensional und farblos.

Kirsty Crawford – Das Glück nebenan *****

„Das Glück nebenan“ beschreibt das Leben dreier Nachbarinnen in einem kleinen verschlafenen englischen Ort in der Nähe von Oxford. Da ist Bella mit ihrem Mann Ian und den beiden Kindern. Bella zieht Ian zuliebe aufs Land, gibt ihren Job auf und widmet sich ganz der Familie. Da sie sich ihr Leben so nicht vorgestellt hat, wird sie immer unzufriedener mit der Beziehung und entwickelt Gefühle für den Nachbarn Ben. Der jedoch scheint das perfekte Leben mit Sam zu führen. Beide schwimmen im Geld und alles wäre wunderbar, wenn da nicht Bens Tochter aus erster Ehe wäre. Die dritte im Bunde ist Jane. Sie ist verwitwet, die Kinder sind erwachsen und so lebt sie ein zurückgezogenes Leben. Doch dann wirbelt der wesentlich jüngere Student Tom ihre geordnete Routine durcheinander. 

Auch wenn es in diesem Roman darum geht, dass im Leben die Dinge oft nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen, fühlt man sich trotzdem sofort wohl in der Geschichte und taucht in das Leben der Charaktere ein. Ich war gemeinsam mit Bella wütend auf Ian, habe mich mit ihr in Ben verliebt, habe Jane als reife Frau bewundert und innerlich über die Tussi Sam gelästert. Den perfekten Abschluss bildet das unerwartete Drama am Ende. Dieser Roman bietet wunderschön leichte Unterhaltung für sonnige Tage am See ohne seicht zu sein.

 

Paula Hawkins – Girl on the Train ****

Und noch ein Buch, dessen Verfilmung in diesem Jahr ins Kino kommt, am 27. Oktober 2016 um genau zu sein. Beim Girl on the Train handelt es sich um die frisch geschiedene Rachel, die sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt. Deswegen hat sie bereits vor Monaten ihren Job verloren. Um den Schein eines normalen Lebens zu wahren, fährt sie trotzdem jeden Tag mit dem Zug in Richtung Büro und schlägt die Zeit tot. Vom Zug aus sieht sie täglich auf ihr ehemaliges Haus, in dem ihr Exmann inzwischen mit seiner neuen Frau Anna und dem gemeinsamen Baby lebt. Gleich in der Nähe beobachtet sie ein weiteres Paar, vom dem sie sich das perfekte Leben ausmalt. Doch eines Tages küsst die Frau, Megan, einen anderen Mann. Kurz darauf verschwindet Megan. Da Rachel in der Nacht des Verschwindens in der Nähe war, sich aber an nichts mehr erinnern kann, fängt sie an selbst zu ermitteln und wird immer tiefer in den Fall hineingezogen.

Paula Hawkins hat es sich mit der Wahl der Protagonistin nicht einfach gemacht. Rachel bekommt wirklich gar nichts auf die Kette. Erst später wird klar, dass keine der drei Frauen das perfekte Leben führt und die drei mehr gemein haben, als man zu Beginn denken mag. Nachdem ich mich erstmal in die verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitsprünge von Rachel, Megan und Anna eingefunden hatte, wurde das Buch zum Pageturner. Auch die Auflösung der Verstrickungen miteinander hat mir sehr gut gefallen. 

Bildquelle: blanvalet, Verlagsgruppe Random House GmbH

 

Kathleen Tessaro – Elégance *****

Als ich dieses Buch in der Hand hielt und den Klappentext überflog, war ich sofort von dem Zitat „Lass dich nie von etwas verführen, das nicht erstklassig ist“ hingerissen. Da ich im letzten Jahr meine Wohnung kontinuierlich entrümpelt habe und inzwischen viel mehr Wert auf Qualität und vor allem zeitlose Outfits lege, schien das genau die richtige Lektüre zur sein.

Die 32-jährige Louise entdeckt in einem Antiquariat einen Stilratgeber von Madame Dariaux, entrümpelt daraufhin ihren Kleiderschrank und ihr Leben auf der Suche nach Eleganz und Stil.

Es hat so viel Spaß gemacht die Entwicklung und die Tritte in Fettnäpfchen, die die Mode und das Leben bereithalten mitzuerleben. Der Ratgeber Elégance von Madame Dariaux, den es übrigens wirklich gibt, dient als wunderbarer Aufhänger um die Geschichte von Louise zu erzählen. Wirklich aktuelle Modetipps kann man also nicht erwarten, dafür aber herrlich frische Unterhaltung.

Bildquelle: http://www.kathleentessaro.com