Rezension: Ingrid Noll – Über Bord ****

Wie auch schon in Ingrid Nolls Romanen „Kalt ist der Abendhauch“ und „Ehrenwort„, geht es auch hier um eine verrückte Familiengeschichte, bei der jedes der Mitglieder eine Leiche im Keller oder eine Macke im Oberstübchen hat.

Zuerst wäre da der Drei-Generationen-Frauenhaushalt. Dieser besteht aus Oma Hildegard, ihrer Tochter Ellen, die seit der Scheidung von ihrem Mann, der eine Affäre mit der gemeinsamen Nichte hat, wieder zuhause wohnt und Enkelin Amalia, die sich in einer beruflichen Selbstfindungsphase befindet. Neben Ellen hat Hildegard noch vier weitere Kinder, bis eines Tages plötzlich der uneheliche Sohn von Hildegards verstorbenem Mann auftaucht. Da freut man sich als Leser doch über seine eigene (verhältnismäßig) normale Familie.

Nachdem man das neue Familienmitglied, Gerd und dessen Frau Ortrud, die ein kleines, großes Alkoholproblem hat, beschnuppert hat, laden diese Ellen und Amalia zu einer Kreuzfahrt ein. Auf den folgenden Seiten schippert das Kreuzfahrschiff dann in ruhigen Gewässern und die Handlung plätschert zwischen Seetagen und Landgängen vor sich hin. Doch Noll wäre nicht Noll, ohne einen Mord und weitere Familienüberraschungen.

Empfehlen kann ich den Roman jedem, der verrückte, fein gezeichnete Charaktere und seichte Unterhaltung ohne verwirrende Handlungsstränge mag.

Bildquelle: Diogenes Verlag AG

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Sebastian Fitzek – Passagier 23 ****

Nachdem ich meinen ersten Fitzek-Roman Die Therapie etwas sacken lassen habe, nahm ich mir Passagier 23 vor. Und ich wurde wieder nicht enttäuscht.

Fasziniert hat mich besonders die Entstehungsgeschichte des Romans. Fitzek wurde von einem Zeitungsartikel, der davon handelt, dass auf Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr ca. 23 Personen verschwinden, inspiriert. Selbstmord schien ihm dann aber doch zu einfach… Und so wird der Polizeipsychologe Martin Schwarz, der vor fünf Jahren Frau und Sohn auf einem Kreuzfahrtschiff verloren hat, wegen eines ähnlichen Falls an Bord der Sultan of the Seas gelockt. Diesmal handelt es sich um eine Mutter und ihre Tochter. Das Mädchen ist plötzlich vollkommen traumatisiert wieder aufgetaucht. Im Arm hatte sie den Teddy des verschwundenen Jungen.  

Die Story lässt einige Parallelen zu Die Therapie erkennen und wird wieder sehr spannend erzählt. So spannend und mit ineinander verstrickten Handlungssträngen, dass ich zwischenzeitlich fast den Überblick verloren hätte. Mit der Auflösung, die auch wieder einer Achterbahnfahrt, bei der man hin- und hergeworfen wird, gleicht, fügt sich aber alles zusammen.

Die Entscheidung, welches seiner Bücher ich als nächstes lesen soll, hat mir der Verlag abgenommen. Am Ende von Passagier 23 war nämlich eine Werbung für Der Nachtwandler, was unglaublich aufregend klang und demnächst auf meinem Nachttisch landen wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur