Rezension: Ann Brashares – Unser letzter Sommer *****

Die beiden Schwestern Alice und Riley, verbringen jeden Sommer mit ihren Eltern im Strandhaus der Familie auf Fire Island. Mit von der Partie ist auch Paul, der mit seinen Eltern im Nachbarhaus wohnt und schon fast zur Familie gehört. Über die Jahre entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den dreien, bis sich mit Anfang 20 plötzlich alles ändert, als Alice und Paul sich in einander verlieben. Als wäre das nicht schon genug für Riley, erkrankt sie plötzlich schwer und verlangt ihrer Schwester ein folgenschweres Versprechen ab.

Der Roman hat mich in jeglicher Hinsicht verzaubert. Ann Brashares hat drei wunderbare Charaktere erschaffen, die einem sofort ans Herz wachsen. Die zurückhaltende Alice könnte eigentlich alles haben im Leben. Sie ist klug, sieht toll aus, Paul liebt sie und doch wird sie von ständigen Zweifeln geplagt. Zweifel kennt auch Paul, der ein Familiengeheimnis hütet und glaubt, nicht gut genug für Alice zu sein. Riley wird nie erwachsen werden. Sie kann keine Minute still sitzen und verbringt den ganzen Sommer beim Sport am Strand. Und dann gibt es da noch den vierten Akteur: Fire Island. Die Insel wird so liebevoll beschrieben, dass man selbst hinfahren möchte. So geben die drei Freunde dem Strand – je nach Wetterlage – verschiedene Namen oder es gibt tolle Rituale wie kopfüber ins Meer zu springen, wenn Freunde mit der Fähre die Insel verlassen. Aber das Buch geht weit über lustige Bullerbü-Geschichten hinaus. Es geht um tiefe Freundschaft, das Erwachsenwerden, Familie, Trauer und es wird zum Teil sogar philosophisch.

Ebenfalls von Ann Brashares stammt die Jugendbuchreihe „Eine für vier“, die sich an etwas jüngere Leser richtet.

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Rezension: Ingrid Noll – Der Hahn ist tot ***

Rosemarie, Anfang 50, Versicherungsangestellte, ewiger Single, keine Kinder, ohne Hobbys, verliebt sich zum ersten Mal in ihrem Leben. Das ahnungslose Opfer ist Rainer Witold: Lehrer, beliebt, verheiratet, zwei Kinder und mit großem Freundeskreis. Sofort steigert sie sich in den Gedanken hinein, Witold ganz für sich allein zu haben. Dafür muss sie allerdings die ein oder andere Konkurrentin, inklusive seiner Ehefrau, aus dem Weg räumen. Wer Ingrid Nolls Romane kennt, weiß wie das aussieht: Die Handlung fließt friedlich vor sich hin und -zack- ist der Mord in einem Halbsatz passiert.

Vielleicht macht gerade das den Reiz aus. Rosemarie ist nämlich keine kaltblütige Mörderin, sondern nur eine einsame, wenn auch psychopathische Frau.

Der Hahn ist tot ist Ingrid Nolls Debütroman, in dem ihre verschrobenen Charaktere, der schwarze Humor und der unvergleichliche Zynismus bereits vorhanden sind. Es bleibt jedoch das Gefühl, sie übte noch für die nachfolgenden Werke. Denn im Vergleich zu Nolls Romanen „Kalt ist der Abendhauch„, „Ehrenwort“ und „Über Bord“ ist dieser hier nicht schlecht, bleibt aber doch ein bisschen farblos – wie Rosemarie.

Bildquelle: Diogenes Verlag AG

Rezension: Melissa Bank – Dinge, die Frauen aus Liebe tun *

Sophie, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in einem Vorort von Philadelphia, zieht nach dem College nach New York City. Dort hangelt sie sich unmotiviert von Job zu Job, und auch in Sachen Beziehung läuft es mehr schlecht als recht. Was sich nach einem typischen Girl-in-the-City-Roman anhört, entpuppte sich leider als langweilige Aneinanderreihung bedeutungsloser Episoden aus Sophies Leben.

Es gab wirklich nichts, womit die Autorin versuchte einem Sophie nahe zu bringen. Sie hat keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern oder Geschwistern. Sie sorgt sich um ihren Bruder, lässt aber keine Taten folgen. Sie sagt sie liebt ihren plötzlich auftauchenden Freund (der vorher nicht in die Handlung eingeführt wurde), das merkt man jedoch nicht. Sie hat seit der Schulzeit eine beste Freundin, der sie aber nicht nahe ist. Sie betont immer wieder wie wichtig ihr der Job ist, und doch kommt sie ständig zu spät.

Diese Unentschlossenheit mag als Ausgangsbasis eines Buches gut geeignet sein. Als allerdings keine Entwicklung folgte, war ich einfach nur genervt.

Ähnlich oberflächlich wie Sophies Charakter dargestellt wurde, so unmotiviert ist das Umfeld der Protagonistin beschrieben. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, aber man erfährt außer den üblichen Bräuchen – wie koscheres Essen und Bar Mitzwa – nichts näheres über den Glauben. Schade um die Zeit, die für dieses oberflächliche Buch drauf gegangen ist.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Jeannette Walls – Schloss aus Glas *****

Jeannette Walls hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche New Yorker Journalistin mit einem Apartment auf der 6th Avenue. Als sie eines Tages im Taxi sitzt, beobachtet sie, wie ihre Mutter nach Essensresten einen Mülleimer durchwühlt.

Hier beginnt ihre autobiografische Geschichte. Sie erzählt von einer abenteuerlichen Kindheit voller Freiheiten für Jeannette und ihre Geschwister, von großen Lebensträumen, denen die Eltern hinterherjagen, von unzähligen Umzügen, aufregenden Fluchten, aber auch von ständiger Armut, Hunger und Kälte.

Das war nach mehreren guten Büchern, die ich gelesen habe, endlich mal eines, das mich auch tief bewegt und nachhaltig beeindruckt hat. Zum einen war ich fasziniert von der Kreativität der Eltern, wenn mal wieder kein Geld da war. Zum anderen war ich zutiefst erschrocken darüber wie unverantwortlich und egoistisch Eltern sein können. Die Mutter ist entweder in einer depressiven Phase oder auf einem ihrer künstlerischen Selbstfindungstrips. Der Vater versäuft nicht nur das klägliche Einkommen, sondern bestiehlt auch noch die eigenen Kinder.

Trotz aller Missstände ist der Roman frei von Bitterkeit und erhobenem Zeigefinger. Jeannette Walls dankt ihren Eltern sogar für das was sie ist. Man fühlt wie sie – auch wenn sie inzwischen ihr eigenes, besseres Leben lebt – immer das Kind ihrer Eltern bleiben wird, das tief in ihrem Herzen an die Spinnereien des Vaters glaubt.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

J. Courtney Sullivan – Sommer in Maine ***

In dieser luftig leichten Familiensaga verbringen die Kellehers die Sommerferien wie jedes Jahr in ihrem Ferienhaus am Stand in Maine. Wenn vier Frauen aus drei Generationen aufeinander treffen, ist Streit meist vorprogrammiert. Abwechselnd widmen sich die Kapitel jeder Frau und erzählen ihre Geschichte. Nach und nach versteht man welche Erfahrungen sie geprägt haben und warum jede von ihnen so ist wie sie ist. Da gibt es Alice, die Großmutter und das Oberhaupt der Familie, die sich seit Jahren für den Tod ihrer Schwester verantwortlich fühlt. Alice‘ Tochter Kathleen lebt zum Ärger ihrer Mutter mit einem Althippie auf einer Wurmfarm in Kalifornien. Kathleens Tochter Maggie wiederum ist ungewollt schwanger und hat sich gerade von ihrem Freund getrennt. Alice‘ Schwiegertochter Ann Marie bemüht sich es allen recht zu machen und den Schein einer perfekten Ehe zu wahren. Doch auch bei ihr ist nichts wie es scheint.

Der Roman beschäftigt sich auf einfühlsame Weise mit der Frage inwiefern man innerhalb der Familie aufeinander zugehen sollte ohne sich selbst zu verbiegen. Allerdings kam meiner Meinung nach die Auseinandersetzung ein bisschen zu kurz. Etwas mehr Drama hätte den 528 Seiten mehr Spannung verliehen.

Da ich selbst ein Jahr in Neuengland gelebt habe, hatte ich beim Lesen die wunderbare Landschaft und das Meer direkt vor Augen. Dank dieser wunderschönen Erinnerungen freue ich mich umso mehr auf den kommenden Sommer.

Bildquelle: Berlin Verlag