Rezension: Mark Watson – Ich könnte am Samstag ***

Der Australier Xavier, der seit kurzem in London lebt, hat keine großen Ambitionen im Leben. Ab und zu nimmt er an Scrabble-Turnieren teil. Ansonsten hat er weder Freunde noch Interessen. Nachts moderiert er beim Radio eine Talkshow in der ihm noch einsamere und verzweifeltere Menschen ihr Herz ausschütten. Während er in seiner Show immer einen hilfreichen Ratschlag parat hat, ist er im wahren Leben oft unbeholfen und wenig selbstsicher. So traut er sich auch nicht einem Jungen zu helfen, der von seinen Mitschülern verprügelt wird, und setzt damit – ohne es zu wissen – eine Verkettung verschiedener Schicksale in Gang. Genau von diesen Aneinanderreihung lebt das Buch. Mal werden tatsächlich stattfindende Handlungsstränge miteinander verknüpft, mal werden sehr kreative Verbindungen z.B. über einen Geldschein, der den Besitzer wechselt, hergestellt. All diese kleine Anekdoten sind wunderbar amüsant und unterhaltsam zu lesen – mehr allerdings auch nicht. Die Handlung plätschert auf über 300 Seiten vor sich hin, bevor es im letzten Kapitel zum überraschenden Höhepunkt kommt. Doch schon nach kurzer Zeit wird man sich an dieses Buch wohl kaum erinnern.

Ein weiterer Minuspunkt geht auf das Konto des Verlages. Was sollen diese an den Haaren herbeigezogenen Hinweise (getarnt als Zitate) auf dem Buchcover wie „Wenn Sie ‚Zwei an einem Tag‚ von David Nicholls geliebt haben, dann ist das Ihr Buch!“? Weder der Inhalt ist vergleichbar, noch stammt das Buch vom selben Autor. Ganz im Gegenteil: der Vergleich weckt meist Erwartungen, die dann enttäuscht werden.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Elizabeth von Arnim – Die Reisegesellschaft ****

Dieses Buch aus dem Jahr 1909 ist ein fiktionaler Reisebericht aus Sicht des Barons Otto von Ottringel. Dieser möchte zu Ehren seiner Silberhochzeit (zwanzig Jahre mit seiner ersten Frau, fünf Jahre mit der zweiten Frau) eine Reise machen. Da Ottringel für eine standesgemäße Reise zu geizig ist, schließt sich das Ehepaar einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an, die einen Monat mit Pferd und Wohnwagen durch Südengland zieht. Während sich alle trotz schlechten Wetters und aller Beschwerlichkeit, die solch eine Tour Anfang des 20. Jahrhunderts mit sich bringt, amüsieren, eckt der Selbstherrliche bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Neben seiner sonst so gehorsamen Frau, die während des Urlaubs langsam aufblüht, versucht er seine Mitreisenden zu erziehen und von seiner Sicht auf die Welt zu überzeugen. Die Ähnlichkeiten zwischen Ottringel und Elizabeth von Arnims Ex-Mann, einem preußischen Grafen, scheinen nicht ganz zufällig 🙂 und auch wenn das Buch schon mehr als 100 Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren. Unangenehme Zeitgenossen wie Ottringel wird es wohl leider immer geben.

Mindestens genauso unterhaltsam – aber statt ironisch bissig eher locker und leicht – ist von Arnims Bestseller Verzauberter April.

 

Rezension: Laurie Viera Rigler – Confessions of a Jane Austen Addict *

Courtney wird im heutigen Los Angeles kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten mit der Hochzeitsplanerin betrogen. Um sich abzulenken verkriecht sie sich mit dem Roman Mansfield Park im Bett… und erwacht am nächsten Morgen plötzlich im Jahr 1813 in England als Jane Mansfield.

Die Idee eine Zeitreise mit historischen Personen und/oder literarischen Werken zu verbinden ist nicht neu aber großartig. Entscheidend ist eine gute Umsetzung. Und genau die konnte ich hier nicht finden. Nach nur wenigen Seiten war ich genervt von der Naivität und der ewigen Nörgelei der Protagonistin. Wie kann man denn als Leserin der Austen-Romane erstaunt darüber sein, dass es im 19. Jahrhundert kein fließendes Wasser gibt und es mit der Körperhygiene nicht weit her war? Also motzt Madame fröhlich weiter und weint ihrem ebenso miserablen amerikanischen Singleleben nach.

Die Krone wurde dem Ganzen dann aufgesetzt, als Courtney alias Jane Mansfield, auf ihr Idol Jane Austen trifft und sie auf die Verfilmungen der Romane anspricht. An dieser Stelle habe ich das Buch weggelegt.

Der Name Austen im Buchtitel sorgt ja bekanntlich für gute Umsatzzahlen, birgt aber auch die Gefahr des Vergleichs. Alles was Austen – meiner Meinung nach – ausmacht: ihre kritische Beobachtung der Gesellschaft, ihren ironischen Humor, ihre Sprachgewandtheit, die auch heute noch beeindruckt, die Gabe auch Banalitäten wie Spaziergänge oder Ballvorbereitungen interessant zu erzählen – all das hat Laurie Viera Rigler für mich nicht. Aus diesem  Grund wurde das Buch wahrscheinlich auch nie ins Deutsche übersetzt.

Rezension: Juliet Ashton – Ein letzter Brief von dir ***

Als ich den Titel das erste Mal las, musste ich sofort an das Buch bzw. den Film „P.S. Ich liebe dich“ denken. Im Gegensatz dazu, geht es hier nicht um die große Liebe, die über den Tod hinaus geht, sondern darum, dass die Person, die man liebt nicht so ist/war, wie man immer geglaubt hat. Dies muß Orla auf schmerzliche Weise lernen. Am Valentinstag bekommt sie von ihrem Freund Sim eine Karte mit dem hoffentlich lang ersehnten Heiratsantrag. Im selben Moment, als sie den Umschlag vom Postboten bekommt, erfährt sie am Telefon, dass Sim tot auf der Straße zusammengebrochen ist. In tiefer Trauer fliegt sie nach London um seine Wohnung aufzulösen. Je mehr Zeit sie dort verbringt, umso weniger hat sie das Gefühl Sim gekannt zu haben.

So beginnt ein munterer Mix aus Rückblick auf die Beziehung der beiden, Sims Tagebucheinträge und der Gegenwart, in der sie sich immer mehr verändert.

Von Anfang an war klar, dass in der Karte kein Antrag war ( was für ihn spricht 🙂 ). Doch die Autorin versteht es, einen auf mehrere Irrwege zu lenken, bis es endlich zu Auflösung kommt.

Auf der Suche nach der Wahrheit und ihren Gefühlen ging mir die Protagonistin Orla ein wenig auf die Nerven. Immer wieder stand sie sich mit ihrem ewigen Gejammer und irrationalen Handeln selbst im Weg. Alle anderen Charaktere hingegen waren interessant und sympathisch dargestellt. Ich mochte den geheimnisvollen Marek, die Vermieterin Maude mit ihrem kleinen Buchladen und die rebellische Bogna, Orlas Schülerin. Daher geriet ich in einen gewissen Lesesog und habe das Buch an nur einem Wochenende gelesen. Darüberhinaus wird mir das Buch allerdings nicht groß in Erinnerung bleiben.

Bildquelle: Rowohlt Verlag GmbH

Kirsty Crawford – Das Glück nebenan *****

„Das Glück nebenan“ beschreibt das Leben dreier Nachbarinnen in einem kleinen verschlafenen englischen Ort in der Nähe von Oxford. Da ist Bella mit ihrem Mann Ian und den beiden Kindern. Bella zieht Ian zuliebe aufs Land, gibt ihren Job auf und widmet sich ganz der Familie. Da sie sich ihr Leben so nicht vorgestellt hat, wird sie immer unzufriedener mit der Beziehung und entwickelt Gefühle für den Nachbarn Ben. Der jedoch scheint das perfekte Leben mit Sam zu führen. Beide schwimmen im Geld und alles wäre wunderbar, wenn da nicht Bens Tochter aus erster Ehe wäre. Die dritte im Bunde ist Jane. Sie ist verwitwet, die Kinder sind erwachsen und so lebt sie ein zurückgezogenes Leben. Doch dann wirbelt der wesentlich jüngere Student Tom ihre geordnete Routine durcheinander. 

Auch wenn es in diesem Roman darum geht, dass im Leben die Dinge oft nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen, fühlt man sich trotzdem sofort wohl in der Geschichte und taucht in das Leben der Charaktere ein. Ich war gemeinsam mit Bella wütend auf Ian, habe mich mit ihr in Ben verliebt, habe Jane als reife Frau bewundert und innerlich über die Tussi Sam gelästert. Den perfekten Abschluss bildet das unerwartete Drama am Ende. Dieser Roman bietet wunderschön leichte Unterhaltung für sonnige Tage am See ohne seicht zu sein.