Rezension: Simon Beckett – Voyeur ****

Direkt nach dem Erscheinen im Jahr 2006, las ich die Thriller-Reihe um den Anthropologen Dr. David Hunter: „Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“. Ich war so von der Reihe gefesselt, dass ich sie auch heute noch weiterempfehle. Als ich dies auch vor ein paar Wochen tat, stieß ich auf Becketts Bücher außerhalb der Reihe.

Schon beim Vorwort von Voyeur freute ich mich wieder über den angenehmen Schreibstil Becketts. Sicherlich hat auch der Übersetzer Andree Hesse einen Anteil daran.

Dieser Debütroman und der dazugehörige Protagonist Donald Ramsey, schienen Beckett wirklich am Herzen zu liegen. Ramsey betreibt in London eine kleine Kunstgalerie. Frauen, Beziehungen und Sex kann er nichts abgewinnen. Doch das ändert sich, als er eines Tages zufällig seine Assistentin Anna beim Umziehen beobachtet. Diese anfängliche Faszination steigert sich bis hin zur Besessenheit, die ihn sogar aus Eifersucht Annas Freund um die Ecke bringen lässt.

Simon Beckett ist es wirklich gelungen Ramsey, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, relativ normal und sympathisch darzustellen. Endlich wird einmal nicht das Klischee, zurückhaltender, unauffälliger Typ mit schwerer Kindheit ermordet selbstbewusste, lebensfrohe, gutaussehende Frau, bedient.

Dennoch hatte der Roman einige Schwachstellen: Womit verdient Ramsey sein Geld ohne Kunden? Wozu dient die Nebenhandlung rund um die Unfallgegnerin, die ständig mit ihm ausgehen möchte? Um zu verdeutlichen, dass ihn andere Frauen nicht interessieren? Warum wird kein tieferer Einblick in Ramseys kranke Psyche gewährt? Und warum kann der Übersetzer nicht mit dasselbe, das Gleiche und dem Genitiv umgehen?

Bedenkt man das Entstehungsjahr dieses Romans, erkennt man eindeutig Becketts Schreibtalent. Lediglich das dazugehörige Handwerk hat er erst später gelernt und perfektioniert, bis er bei der Hunter-Reihe zur Höchstform aufgelaufen ist.

Empfehlenswert ist dieses Buch wohl eher für Krimifans als für hartgesottene Anhänger nervenaufreibender Thriller. Sowohl die Handlung an sich als auch das Spannungsniveau, bewegen sich eher im lauwarmen Bereich.

 

Bildquelle: Rowohlt Verlag GmbH

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Sebastian Fitzek – Die Therapie ****

Trotz mehrfacher Empfehlung hatte ich bis vor kurzem noch kein Buch von Sebastian Fitzek gelesen. Das wollte ich dringend ändern. Also nahm ich mir, wie es sich für eine gute Leserin gehört, sein Debütbuch Die Therapie vor. Darin geht es um den Psychiater Dr. Viktor Larenz, dessen Tochter Josy an einer seltenen Krankheit leidet. Bei einem der zahlreichen, gemeinsamen Arztbesuche verschwindet das Mädchen plötzlich. Nicht nur, dass Josy wie vom Erdboden verschluckt bleibt auch den Arzttermin hat es scheinbar nie gegeben. Vier Jahre später zieht sich Larenz auf eine kleine Insel zurück. Dort sucht ihn eine unbekannte Frau auf und bittet ihn ihre Schizophrenie zu therapieren. Obwohl er nicht mehr praktiziert faszinieren Larenz ihre Visionen und deren Parallelen zum Fall seiner Tochter.

Von Beginn an war ich von der Frage gefesselt, was Realität und Fiktion ist. Die sehr kurzen Kapitel beginnen in regelmäßigen Abständen mit einem Countdown zum „Tag der Wahrheit“ und enden mit zahlreichen Cliffhangern. Das hat mich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen lassen. Sehr gut fand ich auch die sehr überschaubare Anzahl der Charaktere. Im Gegensatz zu manch anderen Krimis und Thrillern war das pure Erholung. Ich weiß, dass das Buch eines der umstrittensten Fitzeks ist. Von daher bin ich schon gespannt auf das Nächste. Das wird übrigens Passagier 23 sein. Von mir gibt es vier Sterne, da ich mir für die folgenden Bücher noch Luft nach oben lassen muss 🙂

Bildquelle: http://www.sebastianfitzek.de