Rezension: Ann Brashares – Eine für vier ****

Als ich ganz begeistert den Roman Unser letzter Sommer von Ann Brashares las, war ich gespannt welche weiteren Bücher von der Autorin stammen. Überrascht hat mich, dass sie die Mädchenbuchreihe Eine für vier (The Sisterhood of the Traveling Pants) geschrieben hatte. Den Film mit Alexis Bledel und Blake Lively hatte ich gefühlt schon 1000 Mal gesehen, doch das Buch stand seit Jahren ungelesen in meinem Bücherregal. Wahrscheinlich haben mich der deutsche Titel und die grauenhafte Jeans auf dem Cover bisher abgehalten. Also nichts wie ran.

Der erste Satz des Prologs lautete: „Es war einmal eine Hose“. Na das konnte ja heiter werden… Auch die grauenhafte Übersetzung typisch amerikanischer Redewendungen machte es nicht besser. Erst mit dem Wechsel der Erzählperspektive ab dem ersten Kapitel wurde es besser. Die Geschichten um die vier Mädchen, die zum ersten Mal den Sommer getrennt von einander verbringen sollten, entsponnen sich sehr schnell. Bridget, fährt in ein Fußballcamp und verliebt sich Hals über Kopf in einen Betreuer. Carmen hatte sich die Ferien mit ihrem Vater anders vorgestellt. Statt gemeinsame Zeit nachzuholen, präsentiert er ihr seine neue Vorzeigefamilie und sie fühlt sich ausgeschlossen. Lena verbringt die Zeit bei ihren Großeltern in Griechenland und verdreht Kostos den Kopf. Nur Tibby bleibt zu Hause und lernt ein Mädchen im Supermarkt kennen, das durch ihr Schicksal Tibbys Blick auf die Welt geraderückt.

Auch wenn ich beim Lesen die Schauspieler und Filmszenen vor Augen hatte, gefiel mir das Buch sehr gut. Es handelt von typischen Mädchenproblemen wie erste Küsse, Scheidung der Eltern und hält doch auch für erwachsene Mädchen ein paar Lebensweisheiten bereit.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Advertisements

Rezension: Sarah Vaughan -Die Zutaten des Glücks ***

Werdet ihr auch häufig von bestimmten Buchcovern angezogen? Bei mir sind es türkis-pink-farbige Bücher. Das zum Beispiel, das oder das. Deshalb bin ich auch hier schwach geworden, obwohl mich der Inhalt auf den ersten Blick gar nicht wirklich ansprach.

Es geht um einen Backwettbewerb, das Schicksal einer gefeierten Backbuchautorin der 1960er-Jahre und die Lebensgeschichte der Teilnehmer des Wettbewerbs. Da ist Jenny, Mutter dreier erwachsener Töchter, die in den letzten Jahren einige Kilos zugelegt hat. Ihr Mann hingegen trainiert für den Pariser Marathon und betrügt sie mit ihrer Freundin.  Vicki, Grundschullehrerin in Elternzeit, zweifelt an ihren Fähigkeiten als gute Mutter. Die alleinerziehende Claire bringt sich und ihre kleine Tochter mit ihrem Job als Supermarktkassiererin über die Runden, und kann sich die Backzutaten kaum leisten. Karen versucht durch ihren Perfektionismus gleich mehrere Familiengeheimnisse zu vertuschen. Und zu guter letzt Mike, der den Tod seiner Frau nur langsam verarbeitet.

Der Anfang des Buches wird dominiert von der Backleidenschaft und die Erzählungen der Frauen kommen nur langsam in Fahrt. Zum Glück ändert sich das Verhältnis gegen Ende, die Geschichten gewinnen an Tiefe und Gefühl, so dass das Backen in den Hintergrund gerät. Gut gefallen hat mir, dass es kein klassisches Happy End mit rosa Zuckerwatte gibt, sondern ganz subtil angedeutet wird, wie das Leben der Protagonisten nach der Verkündung des Gewinners weitergeht.

Bildquelle: Bastei Lübbe AG

Rezension: Melissa Bank – Dinge, die Frauen aus Liebe tun *

Sophie, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in einem Vorort von Philadelphia, zieht nach dem College nach New York City. Dort hangelt sie sich unmotiviert von Job zu Job, und auch in Sachen Beziehung läuft es mehr schlecht als recht. Was sich nach einem typischen Girl-in-the-City-Roman anhört, entpuppte sich leider als langweilige Aneinanderreihung bedeutungsloser Episoden aus Sophies Leben.

Es gab wirklich nichts, womit die Autorin versuchte einem Sophie nahe zu bringen. Sie hat keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern oder Geschwistern. Sie sorgt sich um ihren Bruder, lässt aber keine Taten folgen. Sie sagt sie liebt ihren plötzlich auftauchenden Freund (der vorher nicht in die Handlung eingeführt wurde), das merkt man jedoch nicht. Sie hat seit der Schulzeit eine beste Freundin, der sie aber nicht nahe ist. Sie betont immer wieder wie wichtig ihr der Job ist, und doch kommt sie ständig zu spät.

Diese Unentschlossenheit mag als Ausgangsbasis eines Buches gut geeignet sein. Als allerdings keine Entwicklung folgte, war ich einfach nur genervt.

Ähnlich oberflächlich wie Sophies Charakter dargestellt wurde, so unmotiviert ist das Umfeld der Protagonistin beschrieben. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, aber man erfährt außer den üblichen Bräuchen – wie koscheres Essen und Bar Mitzwa – nichts näheres über den Glauben. Schade um die Zeit, die für dieses oberflächliche Buch drauf gegangen ist.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Laurie Viera Rigler – Confessions of a Jane Austen Addict *

Courtney wird im heutigen Los Angeles kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten mit der Hochzeitsplanerin betrogen. Um sich abzulenken verkriecht sie sich mit dem Roman Mansfield Park im Bett… und erwacht am nächsten Morgen plötzlich im Jahr 1813 in England als Jane Mansfield.

Die Idee eine Zeitreise mit historischen Personen und/oder literarischen Werken zu verbinden ist nicht neu aber großartig. Entscheidend ist eine gute Umsetzung. Und genau die konnte ich hier nicht finden. Nach nur wenigen Seiten war ich genervt von der Naivität und der ewigen Nörgelei der Protagonistin. Wie kann man denn als Leserin der Austen-Romane erstaunt darüber sein, dass es im 19. Jahrhundert kein fließendes Wasser gibt und es mit der Körperhygiene nicht weit her war? Also motzt Madame fröhlich weiter und weint ihrem ebenso miserablen amerikanischen Singleleben nach.

Die Krone wurde dem Ganzen dann aufgesetzt, als Courtney alias Jane Mansfield, auf ihr Idol Jane Austen trifft und sie auf die Verfilmungen der Romane anspricht. An dieser Stelle habe ich das Buch weggelegt.

Der Name Austen im Buchtitel sorgt ja bekanntlich für gute Umsatzzahlen, birgt aber auch die Gefahr des Vergleichs. Alles was Austen – meiner Meinung nach – ausmacht: ihre kritische Beobachtung der Gesellschaft, ihren ironischen Humor, ihre Sprachgewandtheit, die auch heute noch beeindruckt, die Gabe auch Banalitäten wie Spaziergänge oder Ballvorbereitungen interessant zu erzählen – all das hat Laurie Viera Rigler für mich nicht. Aus diesem  Grund wurde das Buch wahrscheinlich auch nie ins Deutsche übersetzt.

Rezension: Anne Hertz – Die Sache mit meiner Schwester ***

Angezogen vom hübsch gestalteten Cover griff ich in der Bibliothek nach diesem Buch. Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es um die beiden Schwestern Nele und Heike, die zusammen unter dem Namen Sanne Gold sehr erfolgreich Bücher schreiben. Heike lebt mit ihrem Mann und drei Kindern im spießigen Haus mit Garten, während Nele als Single das Nachtleben und ihre Freiheit genießt. Als beide in einer Talkshow zu Gast sind, kommt es zum Eklat. Aufgebracht fahren die beiden davon und haben einen Autounfall bei dem Heike schwer verletzt wird. Hals über Kopf muß Nele Heikes Rolle einnehmen und den Haushalt schmeißen. Dabei stößt sie auf einige Ungereimtheiten in Heikes Leben.

Ich mag Bücher, in denen junge, vielleicht auch manchmal naive Frauen aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden, sich neu orientieren müssen und daran wachsen. Das ist vielleicht nicht immer sonderlich anspruchsvoll aber sehr unterhaltsam. Besonders vor dem Hintergrund, dass dieser Roman tatsächlich von zwei Schwestern unter dem gemeinsamen Pseudonym Anne Hertz geschrieben wurde, fand ich die Idee sehr witzig.

Leider strotzte das Buch vor Namensverwechslungen, Tipp- und Grammatikfehlern. Darüber hinaus gab es auch noch Widersprüche im Text. So schaut beispielsweise Nele mit ihrer Freundin auf eine Facebookseite und fährt danach den Computer herunter. Nach einer kurzen Unterhaltung schließt sie den Browser. Auch die ständige Großschreibung und Wortwiederholungen waren wirklich, wirklich, WIRKLICH (Zitat!) nervig. Die erwartet man eher in der WhatsApp-Nachricht einer Fünfzehnjährigen. Am Ende des Buches danken die beiden Autorinnen auch noch der Lektorin Katrin Andres und Matthias Willig für das unermüdliche Lesen und Korrigieren. Mag sein, dass die beiden uns Leser vor dem Schlimmsten bewahrt haben. Aber gut ist anders.

Rezension: Lori Nelson Spielman – Morgen kommt ein neuer Himmel ****

Noch nie habe ich einen Roman gelesen, der so bewegend begann. Schon auf Seite 10 musste ich schlucken.

Als Bretts Mutter stirbt, hinterlässt sie der gesamten Familie ein Millionenerbe. Nur Brett geht vorerst leer aus. Sie erhält eine von ihr als Kind erstellte Liste mit ihren damaligen Lebenszielen. Weil die Mutter vor ihrem Tod spürte, dass die Tochter mit ihrem Leben, ihrem Job und in der Beziehung nicht glücklich war, zwingt sie Brett alles über den Haufen zu werfen. Erst wenn alle Ziele erfüllt sind, bekommt sie ihren Erbanteil. Natürlich ist die zuerst alles andere als begeistert. Doch nach und nach fängt ihr die Sache an Spaß zu machen. Mit jedem erreichten Ziel wächst sie über sich hinaus und findet ihren Weg.

Bemerkenswert fand ich, dass sich die Liste zwar als roter Faden durch das Buch zieht, aber die eigentliche Entwicklung mit all ihren Erfolgen aber auch Rückschlägen die Hauptrolle spielt.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt *****

Don Tillman, 39 Jahre alt, hochintelligent, sportlich, Genetikprofessor, hat für alles im Leben einen genauen Plan: Sport, Nahrungszubereitung und- aufnahme, Partnerwahl – keine Überraschungen. Um die Effektivität bei der Partnersuche zu erhöhen, hat er einen 16-seitigen Fragebogen erarbeitet. Doch dann trifft er auf Rosie, die ihn, als Genetiker, um Hilfe bei der Suche nach ihrem biologischen Vater bittet. Als Partnerin entspricht sie keiner der Kriterien, doch sie löst etwas vollkommen Neues in ihm aus: Gefühle. Damit muss er erstmal zurechtkommen.

Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, dass mich so amüsiert hat. Don ist unfreiwillig lustig und tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Gleichzeitig ist er aber auch unerwartet erfolgreich durch sein Anderssein. Trotz aller Komik gewinnt man einen guten Einblick in seine Welt und versteht, dass es für ihn nicht immer einfach ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, Sarkasmus zu verstehen, Mimik zu lesen, Gesprächspartner überhaupt anzusehen oder nicht zu lange anzustarren. All das muss er mühevoll auswendig lernen, weil ihm das Gespür dafür fehlt. Sheldon Cooper und er würden sich bestimmt gut verstehen 🙂

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH