Bücherschnack – Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 ist fast vorbei. Für mich war es ein erfolgreiches Lesejahr. Nicht weil ich soundso viele Bücher gelesen habe, sondern weil ein paar Bücher dabei waren, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Jedes auf seine eigene Weise. Wenn ihr also noch Lesefutter für 2017 sucht, hier sind meine Favoriten:

Weil ich von der Protagonistin, einem jungen, ehrgeizigen, starken Mädchen, beeindruckt war, und mich das Buch dazu gebracht hat wieder mehr zu lesen.

Aus den Jahren 1922 bzw. 1813 und damit die ältesten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Beide fand ich – besonders wegen der Schreibstile und der Frauenpower – richtig klasse.

Das Buch hat in dem Moment großartig in meine Lebensphase gepasst. Es geht um Stil, zeitlose Eleganz, Versuchungen und die eigenen Ansprüche.

Mit Fitzek habe ich einen tollen (für mich) neuen Thrillerautor entdeckt. Nach „Die Therapie“ folgten noch einige mehr. Momentan lese ich gerade voller Spannung „Das Paket“.

Mein Wohlfühlbuch dieses Jahr. Ein Buch in dem man sich sofort zuhause fühlt und nach dem Ende das Gefühl hat gute Freunde verloren zu haben.

Ein sehr spezielles Buch. Eine Frau ist plötzlich ganz auf sich allein gestellt in einer Berghütte.

Eine erfrischende Sommergeschichte, die Lust auf spontane Abenteuer macht.

Dieses autobiografische Buch erzählt von einer aufregenden Kindheit und der schwierigen Beziehung zu einem alkoholkranken Vater und zu einer Mutter, die sich in einer ständig andauernden Selbstfindungsphase befindet.

Auch hier geht es um das Schicksal eines kleinen Mädchens. Die Mutter verlässt ohne eine Wort die Familie. Niemand weiß, ob sie freiwillig gegangen, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

Obwohl ich dieses Jahr relativ abwechslungsreich gelesen habe, mochte ich drei zentrale Themen am meisten: Kinderschicksale, starke Frauen (Charaktere und Autorinnen) und Thriller (speziell Fitzek). Wie ist es euch ergangen? Wie war euer Lesejahr?

Schon jetzt wünsche ich allen Büchernerds tolle Lesestunden.

 

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Rezension: Morgan Callan Rogers – Rubinrotes Herz, eisblaue See *****

In einem kleinen Ort in Maine, an der Ostküste der USA, lebt das Mädchen Florine zusammen mit ihren Eltern Carlie und Leeman in der Nähe der Großmutter. Gleich in der Nachbarschaft wohnen die Freunde Dottie, Bud und Glen. Alles ist wunderbar idyllisch und erinnert ein wenig an die Kinder aus Bullerbü. Bis zu dem Tag als Florines Mutter ohne ein Wort verschwindet. Niemand weiß, ob sie die Familie einfach so verlassen hat, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

In jedem Satz ist die Verzweiflung des Vaters und Florines spürbar. Das alles kommt – zum Glück – ohne herzzerreißende Worte und ohne viele Tränen aus. Gerade diese fehlende Rührseligkeit machte es für mich umso bewegender. Vater und Tochter versuchen einfach mit ihrem Leben weiter zu machen. Jeder auf seine Weise. Während Florine keinen Frieden findet, und auch nach Jahren noch auf die Rückkehr der Mutter hofft, ertränkt der Vater  seinen Kummer zuerst in Alkohol, und tröstet sich dann mit einer anderen Frau. Auch hier hat es mir beim Lesen fast das Herz zerrissen. Beide versuchen glücklich zu sein – und doch wird einer der beiden verletzt – in dem Fall Florine. So etwas wäre in Bullerbü nicht passiert 🙂

Obwohl das Buch keine Neuerscheinung ist, eignet es sich wunderbar als (Weihnachts-)geschenk. Es ist ein Buch übers Erwachsenwerden, tiefe Freundschaft, Familie, Verluste und Verzeihen.

Rezension: Nicolas Barreau – Eines Abends in Paris ****

Alain Bonnard betreibt das kleine Kino Cinema Paradis. Jeden Mittwoch läuft die Filmreihe Les Amours au Paradis zu der auch die Frau im roten Mantel kommt. Immer sitzt sie in der selben Reihe. Als Alain eines Mittwochs endlich all seinen Mut zusammennimmt und sie anspricht, verbringen sie einen wundervollen Abend und verabreden sich für die nächste Woche. Doch Alain wartet vergeblich. Die Frau ist spurlos verschwunden und er am Boden zerstört. Zur gleichen Zeit lernt er die Schauspielerin Solène Avril und den Regisseur Allan Wood kennen, die einen Film in seinem Kino drehen wollen. Das sorgt für einigen Wirbel in Alains sonst so ruhigem Kino und Leben. Außerdem muss er ja noch die Frau im roten Mantel finden…

Auch wenn mir dieses Buch mal wieder bewusst gemacht hat, dass ich schrecklich unromantisch bin, habe ich es doch von der ersten bis zur letzten Seite sehr genossen. Da spielt es schon fast keine Rolle mehr, dass ich nicht an Liebe auf den ersten Blick glaube, oder die Verknüpfung der Ereignisse etwas zuviel des Guten war. Das Buch verzaubert durch den hoffnungslosen Romantiker Alain, die Stadt Paris und das kleine verträumte Kino, in dem es kein Popcorn, keine Nachos oder riesige Softdrinks gibt.

Bildquelle: Piper Verlag

Rezension: Lori Nelson Spielman – Morgen kommt ein neuer Himmel ****

Noch nie habe ich einen Roman gelesen, der so bewegend begann. Schon auf Seite 10 musste ich schlucken.

Als Bretts Mutter stirbt, hinterlässt sie der gesamten Familie ein Millionenerbe. Nur Brett geht vorerst leer aus. Sie erhält eine von ihr als Kind erstellte Liste mit ihren damaligen Lebenszielen. Weil die Mutter vor ihrem Tod spürte, dass die Tochter mit ihrem Leben, ihrem Job und in der Beziehung nicht glücklich war, zwingt sie Brett alles über den Haufen zu werfen. Erst wenn alle Ziele erfüllt sind, bekommt sie ihren Erbanteil. Natürlich ist die zuerst alles andere als begeistert. Doch nach und nach fängt ihr die Sache an Spaß zu machen. Mit jedem erreichten Ziel wächst sie über sich hinaus und findet ihren Weg.

Bemerkenswert fand ich, dass sich die Liste zwar als roter Faden durch das Buch zieht, aber die eigentliche Entwicklung mit all ihren Erfolgen aber auch Rückschlägen die Hauptrolle spielt.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Agatha Christie – Mord im Orientexpress ****

Während der vergangenen heißen Tage genoß ich eine großartige Abkühlung – eine Literarische. Der Orientexpress, mit dem belgischen Detektiv Hercule Poirot an Bord, unterwegs von Istanbul nach London, bleibt in einer Schneewehe stecken. Es geht weder vor noch zurück, der Telegraf funktioniert nicht, und der Zug mit seinen Passagieren ist von der Außenwelt abgeschnitten. Als eines Nachts auch noch ein amerikanischer Fahrgast ermordet wird, wird schnell klar: der Mörder befindet sich unter ihnen. Also fängt Poirot an zu ermitteln.

Ich mag Krimis, die sich auf wenige Handlungsstränge beschränken und ohne viel Theater um den Ermittler auskommen. Hier steht allein die Detektivarbeit im Vordergrund. Dieser widmet sich Poirot auf amüsante Weise. Er befragt die Passagiere einen nach dem anderen und rät munter drauf los.

Da es, wie von vielen Christie-Romanen, auch hiervon eine Verfilmung gibt habe ich mir die aus dem Jahr 1974 angeschaut. Trotz der 6 Oscar-Nominierungen war ich ziemlich enttäuscht. Zum einen ist die deutsche Filmversion sprachlich um einiges schlechter als der deutsche Roman. Zum anderen gefiel mir weder der Aufbau des Films noch die – meiner Meinung nach – unnötigen Änderungen. So wurden z.B. die Namen von Fahrgästen geändert oder der rote Kimono, ein Beweisstück, wurde zum Weißen. Auch Poirot verlor etwas an Witz. Wenigstens weiß ich jetzt wie man seinen Namen ausspricht.

Rezension: Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt *****

Don Tillman, 39 Jahre alt, hochintelligent, sportlich, Genetikprofessor, hat für alles im Leben einen genauen Plan: Sport, Nahrungszubereitung und- aufnahme, Partnerwahl – keine Überraschungen. Um die Effektivität bei der Partnersuche zu erhöhen, hat er einen 16-seitigen Fragebogen erarbeitet. Doch dann trifft er auf Rosie, die ihn, als Genetiker, um Hilfe bei der Suche nach ihrem biologischen Vater bittet. Als Partnerin entspricht sie keiner der Kriterien, doch sie löst etwas vollkommen Neues in ihm aus: Gefühle. Damit muss er erstmal zurechtkommen.

Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, dass mich so amüsiert hat. Don ist unfreiwillig lustig und tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Gleichzeitig ist er aber auch unerwartet erfolgreich durch sein Anderssein. Trotz aller Komik gewinnt man einen guten Einblick in seine Welt und versteht, dass es für ihn nicht immer einfach ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, Sarkasmus zu verstehen, Mimik zu lesen, Gesprächspartner überhaupt anzusehen oder nicht zu lange anzustarren. All das muss er mühevoll auswendig lernen, weil ihm das Gespür dafür fehlt. Sheldon Cooper und er würden sich bestimmt gut verstehen 🙂

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

Rezension: Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr ***

Weil (gefühlt) jede Frau dieses Buch gelesen hat, und der Film vor kurzen in die deutschen Kinos kam, wollte auch ich mich nicht länger dem Hype entziehen. Bis dahin hatte ich nur Positives gehört. Das wurde noch einmal bestätigt, als ich die ersten Seiten des Romans in einem Café las. Die Kellnerin erzählte mir, wie begeistert sie davon war. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Es geht um Will, der im Rollstuhl sitzt. Vor seinem Unfall war er erfolgreich im Job, im Sport und bei den Frauen. Geblieben ist ihm nur das Geld und sein Entschluss dieses Leben, das für ihn keins mehr ist, zu beenden. Dafür hat er in sechs Monaten einen Termin in der Schweiz. Seine Eltern, die ihn davon abhalten wollen, heuern die beruflich erfolglose – aber lebenslustige und unkonventionelle – Louisa an. Sie soll ihn von der L(i)ebenswertigkeit des Lebens überzeugen.

Die Story erinnerte mich an „Ziemlich beste Freunde“. Leider hat sie nicht mehr zu bieten, als das typische Szenario in dem der Hauptprotagonist im Rollstuhl sitzt: er ist reich, hadert mit seinem Schicksal und ist dementsprechend kratzbürstig. Im Lauf der Zeit gewinnt jedoch der Pfleger sein Herz. Ziemlich abgenudelt wie ich finde. Auch die wechselnden Erzählperspektiven wirken etwas hölzern, so als versuchte die Autorin krampfhaft durch zusätzliche Einblicke die Story voranzutreiben.

Ich hatte bis dahin also nichts verpasst 🙂

Bildquelle: Rowohlt Verlag