Rezension: Shia Su – Zero Waste *****

611 kg Müll produziert jeder Deutsche pro Jahr. Der Müll der Autorin und Bloggerin Shia Su hingegen passt in ein Einmachglas. Das war natürlich nicht immer so und geplant war es auch nicht. Genau das macht Shia so sympathisch. Sie gibt zu, dass sie faul ist und im Alltag keinen großen Aufwand betreiben will. Sofort fühlte ich mich angesprochen und las fasziniert wie sie Schritt für Schritt Verpackungsmüll aus ihrem Leben verbannt hat. Dazu gibt es super einfache Kochrezepte, man erfährt wie man Fertigprodukte ersetzt und in ein paar Minuten seine eigenen Putzmittel herstellt. Das alles vermittelt sie unglaublich motivierend und witzig, nie mit erhobenem Zeigefinger oder dem Anspruch perfekt zu sein. Es sind vielmehr die kleinen Dinge, die niemanden überfordern aber langfristig zum Erfolg führen.

Auch das Argument man könne als Einzelperson ja doch nichts tun, lässt sie nicht gelten. Sie macht einfach drauf los und ermutigt dabei unzählige andere. Wenn also jeder, der dieses Buch liest, den eigenen Müll um nur 50% reduziert und bewusster (also weniger) konsumiert, sind das einige Tonnen Abfall weniger, die entsorgt werden müssen – oder viel schlimmer noch – in den Ozeanen treiben. Da kann von „nichts tun“ keine Rede sein.

Deshalb empfehle ich sowohl das Buch als auch den Blog von ganzem Herzen.

Bildquelle: Freya Verlag GmbH

Rezension: Mark Watson – Ich könnte am Samstag ***

Der Australier Xavier, der seit kurzem in London lebt, hat keine großen Ambitionen im Leben. Ab und zu nimmt er an Scrabble-Turnieren teil. Ansonsten hat er weder Freunde noch Interessen. Nachts moderiert er beim Radio eine Talkshow in der ihm noch einsamere und verzweifeltere Menschen ihr Herz ausschütten. Während er in seiner Show immer einen hilfreichen Ratschlag parat hat, ist er im wahren Leben oft unbeholfen und wenig selbstsicher. So traut er sich auch nicht einem Jungen zu helfen, der von seinen Mitschülern verprügelt wird, und setzt damit – ohne es zu wissen – eine Verkettung verschiedener Schicksale in Gang. Genau von diesen Aneinanderreihung lebt das Buch. Mal werden tatsächlich stattfindende Handlungsstränge miteinander verknüpft, mal werden sehr kreative Verbindungen z.B. über einen Geldschein, der den Besitzer wechselt, hergestellt. All diese kleine Anekdoten sind wunderbar amüsant und unterhaltsam zu lesen – mehr allerdings auch nicht. Die Handlung plätschert auf über 300 Seiten vor sich hin, bevor es im letzten Kapitel zum überraschenden Höhepunkt kommt. Doch schon nach kurzer Zeit wird man sich an dieses Buch wohl kaum erinnern.

Ein weiterer Minuspunkt geht auf das Konto des Verlages. Was sollen diese an den Haaren herbeigezogenen Hinweise (getarnt als Zitate) auf dem Buchcover wie „Wenn Sie ‚Zwei an einem Tag‚ von David Nicholls geliebt haben, dann ist das Ihr Buch!“? Weder der Inhalt ist vergleichbar, noch stammt das Buch vom selben Autor. Ganz im Gegenteil: der Vergleich weckt meist Erwartungen, die dann enttäuscht werden.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Scott Smith – Ein ganz einfacher Plan ***

Was würde man tun, wenn man mit seinen Freunden 4,4 Millionen Dollar findet? Genau diese Frage stellt sich Hank, seinem Bruder Jacob und dessen Freund Lou. Auf einem verschneiten Acker im Nirgendwo finden sie ein abgestürztes Flugzeug. In ihm sitzt der tote Pilot mit einer Tasche voller Geld. Schnell fassen sie einen Plan: Etwas Gras über die Sache wachsen lassen und dann wird geteilt. Dumm nur, wenn sich jemand nicht an die Vereinbarung hält. So erwachen schnell Gier und Misstrauen.

Was nach einer spannenden Idee klingt, verlor sich leider in langatmigen Landschaftsbeschreibungen und gegenseitigen Drohungen, weil einer dem anderen nicht vertraut und die Sache immer mehr aus dem Ruder läuft. So war ich nach ein paar hundert Seiten ziemlich erleichtert, als es endlich zum blutigen Showdown kommt.

Spannung kam leider an keiner Stelle auf. Lediglich die Entwicklung vom braven Durchschnittbürger zum Mörder ohne Reue war interessant dargestellt.

Mein Fazit: Guter Plan, der allerdings an der unkreativen Umsetzung gescheitert.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Graeme Simsion – Der Rosie-Effekt *****

Nachdem „Das Rosie-Projekt“ und die damit verbundene Suche nach einer geeigneten Ehefrau erfolgreich abgeschlossen ist, werden die Probleme für Don Tilman nicht weniger. Don, hochintelligent, Genetikprofessor, und für die normale Welt nicht geschaffen, wird Vater. Gewohnt wissenschaftlich und effizient nähert er sich dem menschlichen Reproduktionsprozess. Seine Recherche führt ihn auf einen New Yorker Spielplatz und damit direkt in Polizeigewahrsam. Nachdem er überzeugend erklärt hat, dass er kein Kinderschänder ist, assistiert er bei der Geburt eines Kalbs, um für den großen Tag der Geburt, gut vorbereitet zu sein. Völlig eingenommen von dieser Forschungsarbeit droht seine Beziehung zu Rosie jedoch zu zerbrechen.

Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Fortsetzungen, die fast nahtlos an ihren ersten Teil anknüpfen. Don und Rosie sind noch genauso sympathisch, verrückt und unterhaltsam. Und auch Dons bester Freund Gene sorgt wieder für einigen Wirbel. Wer sympathisch schräge Charaktere mag, sollte unbedingt „Das Rosie–Projekt“ und danach  „Der Rosie-Effekt“ lesen.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Elizabeth von Arnim – Die Reisegesellschaft ****

Dieses Buch aus dem Jahr 1909 ist ein fiktionaler Reisebericht aus Sicht des Barons Otto von Ottringel. Dieser möchte zu Ehren seiner Silberhochzeit (zwanzig Jahre mit seiner ersten Frau, fünf Jahre mit der zweiten Frau) eine Reise machen. Da Ottringel für eine standesgemäße Reise zu geizig ist, schließt sich das Ehepaar einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an, die einen Monat mit Pferd und Wohnwagen durch Südengland zieht. Während sich alle trotz schlechten Wetters und aller Beschwerlichkeit, die solch eine Tour Anfang des 20. Jahrhunderts mit sich bringt, amüsieren, eckt der Selbstherrliche bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Neben seiner sonst so gehorsamen Frau, die während des Urlaubs langsam aufblüht, versucht er seine Mitreisenden zu erziehen und von seiner Sicht auf die Welt zu überzeugen. Die Ähnlichkeiten zwischen Ottringel und Elizabeth von Arnims Ex-Mann, einem preußischen Grafen, scheinen nicht ganz zufällig 🙂 und auch wenn das Buch schon mehr als 100 Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren. Unangenehme Zeitgenossen wie Ottringel wird es wohl leider immer geben.

Mindestens genauso unterhaltsam – aber statt ironisch bissig eher locker und leicht – ist von Arnims Bestseller Verzauberter April.

 

Rezension: Keigo Higashino – Heilige Mörderin ****

Wer genug von skandinavischen Krimis mit wortkargen, versoffenen Kommissaren in der Midlife-Crisis und amerikanischen alleinerziehenden Detectives hat, deren Ehe wegen des Arbeitspensums auf der Strecke geblieben ist, dem kann ich diesen japanischen Krimi wärmstens empfehlen. Hier erfährt man nichts über das Privatleben der Ermittler und statt Alkohol wird Tee serviert. Auch Blut und eine verstümmelte Leiche sucht man vergeblich.
Stattdessen wird der Unternehmer Yoshitaka mit Arsen vergiftet. Kurz zuvor hatte er verkündet, dass er die Scheidung einreicht, da seine Frau Ayane keine Kinder bekommen kann. Das Motiv und die Täterin sind also von Anfang an bekannt. Doch Ayane hat ein wasserdichtes Alibi: sie war zum Zeitpunkt des Mordes nicht in der Stadt.
Obwohl ich von der eiskalten Einstellung des Opfers entsetzt war, konnte ich kein Mitgefühl für die Ehefrau empfinden. Da hatten sich zwei vom gleichen Kaliber gefunden. Auch für das Ermittlerteam Inspektor Kusanagi und seine Assistentin Utsumi kamen bei mir keine Sympathien auf. Doch das machte für mich den Reiz des Buches aus. Mit seinen sparsamen Beschreibungen blieb alles sehr unpersönlich und wenig emotional – so auch die Charaktere, die um jeden Preis Haltung wahren und keine Schwäche zeigen durften.

Bildquelle: Klett-Cotta Verlag

Rezension: Sebastian Fitzek – Das Paket ****

Es scheint, als wäre Sebastian Fitzek, nach zehn Jahren mit immer wilderen Verstrickungen in seinen Psychothrillern, wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Wie schon im Jahr 2006 in „Die Therapie“ beschränkte er sich dieses Mal auf ganz wenige Handlungsorte und Protagonisten. Dafür ist die Story um die Psychiaterin Emma umso spannender. Schon als Kind litt sie unter Wahnvorstellungen. Als sie Jahre später in einem Berliner Hotel von einem gesuchten Serienmörder vergewaltigt wird und gerade noch entkommen kann, versinkt sie in tiefen Depressionen. Eines Tages gibt der Postbote ein Paket für einen Nachbarn, dessen Namen sie noch nie gehört hat, bei ihr ab. Ist der Mörder noch nicht fertig mit ihr oder ist die Krankheit aus Kindertagen wieder ausgebrochen?

Noch immer beherrscht Fitzek die hohe Kunst uns Lesern die Sicht zwischen Traum, Medikamenteneinfluss und Realität zu vernebeln. Immer wieder werden scheinbar belanglose Details erwähnt, um den Verdacht mal in die eine, mal in die andere Richtung zu lenken. Am Ende gibt es – wie üblich – eine riesige Kehrtwende.

Auch allen Skeptikern, die der Meinung sind, dass die letzten Thriller eher mittelmäßig waren, kann ich diesen Roman wieder guten Gewissens empfehlen.

Weitere von mir rezensierte Fitzek-Romane: Die TherapiePassagier 23Der Augensammler und Der Nachtwandler.

Bildquelle: www.sebastianfitzek.de