Rezension: Katherine Pancole – Die gelben Augen der Krokodile ****

Familiengeschichten funktionieren in der Literatur eigentlich immer. Dass das auch amüsant und kreativ geht, beweist Katherine Pancole schon mit den Titeln dieser Trilogie. Nach „Die gelben Augen der Krokodile“ folgen „Der langsame Walzer der Schildkröten“ und „Montags sind die Eichhörnchen traurig“.

Alle drei Romane drehen sich um Joséphine, die sich – gerade frisch getrennt von ihrem Ehemann –  mit den beiden Töchtern mehr schlecht als recht durchschlägt. Rettung naht, als ihre Schwester Iris, die ein tristes Leben an der Seite ihres stinkreichen Ehemannes führt, auf die Idee kommt ein Buch zu veröffentlichen. Da Iris zwar nicht schreiben, sich aber gut in Szene setzen kann, ist schnell klar, dass Joséphine als Ghostwriter herhalten muss. Überraschend wird das Buch zum Erfolg und stellt damit das Leben aller Beteiligten auf den Kopf. Und nicht nur das. Auch Joséphines Noch-Ehemann versucht sich als Geschäftsmann, ihre Mutter drangsaliert den Stiefvater, die aufmüpfige Tochter macht ihr das Leben schwer und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Mann aus der Bibliothek.

Diese familiären Verflechtungen werden auf 600 Seiten wunderbar unterhaltsam erzählt. Alle Personen, die sich langsam und nachvollziehbar weiterentwickeln, sind mit ihren Stärken und Schwächen vielschichtig charakterisiert. Abstriche gab es für mich lediglich beim haarsträubenden Familiengeheimnis von Joséphines bester Freundin Shirley und, dass Mick Jagger plötzlich aus auf Joséphines Tochter abfährt. What the fuck?! Aber das geht ja vielleicht noch als künstlerische Freiheit durch. Nicht zu ignorieren sind allerdings die Fehler in der Übersetzung. Plötzlich wechselt die Anrede innerhalb eines Absatzes, zwei Personen, die die Nächte miteinander verbringen, siezen sich, und dann zieht sich auch noch der ewige Dasselbe-und-das-Gleiche-Fehler durch das gesamte Buch.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Lori Nelson Spielman – Und nebenan warten die Sterne ***

Wie auch schon im ersten Roman der Autorin, „Morgen kommt ein neuer Himmel“, geht es auch in ihrem dritten Buch um den Tod eines geliebten Menschen.

Kristen, Anfang 20, stirbt bei einem Zugunglück auf dem Weg zum College. Nach ihrem Tod stürzt sich ihre Mutter Erika in die Arbeit und macht Karriere um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen. Dadurch bekommt Erikas andere Tochter, Annie, immer mehr das Gefühl, dass ihre Mutter Kristen mehr geliebt hat bzw. immer noch liebt. Sie glaubt nämlich, dass die Schwester noch am Leben ist und in Paris lebt. Also macht sie sich auf die Suche.

Nach den erfolgreichen Romanen „Morgen kommt ein neuer Himmel“ und „Nur einen Horizont“ entfernt, hatte ich das Gefühl die Autorin und der Verlag nehmen alle Erfolgsfaktoren der ersten beiden Bücher, packen noch eine Schippe drauf und schon läuft das Ganze. Für mich wurden dadurch zu viele Themen auf einmal abgehandelt: die Trauer über den Unfalltod, die Schuldgefühle von Erika und Annie, alte Familienstreitigkeiten, Lebensweisheiten in Form von Sprüchen und Zitaten, eine Liebesgeschichte, das Zueinanderfinden von Mutter und Tochter und zu guter Letzt erhält Erika auch noch geheimnisvolle E-Mails. Dadurch blieb leider das Gefühl auf der Strecke, wodurch auch die Charaktere etwas hölzern und fremd wirkten.

Aber schließlich gibt es auch hierzu den passenden Spruch: Manchmal ist weniger mehr.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

 

Rezension: Elizabeth von Arnim – Die Reisegesellschaft ****

Dieses Buch aus dem Jahr 1909 ist ein fiktionaler Reisebericht aus Sicht des Barons Otto von Ottringel. Dieser möchte zu Ehren seiner Silberhochzeit (zwanzig Jahre mit seiner ersten Frau, fünf Jahre mit der zweiten Frau) eine Reise machen. Da Ottringel für eine standesgemäße Reise zu geizig ist, schließt sich das Ehepaar einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an, die einen Monat mit Pferd und Wohnwagen durch Südengland zieht. Während sich alle trotz schlechten Wetters und aller Beschwerlichkeit, die solch eine Tour Anfang des 20. Jahrhunderts mit sich bringt, amüsieren, eckt der Selbstherrliche bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Neben seiner sonst so gehorsamen Frau, die während des Urlaubs langsam aufblüht, versucht er seine Mitreisenden zu erziehen und von seiner Sicht auf die Welt zu überzeugen. Die Ähnlichkeiten zwischen Ottringel und Elizabeth von Arnims Ex-Mann, einem preußischen Grafen, scheinen nicht ganz zufällig 🙂 und auch wenn das Buch schon mehr als 100 Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren. Unangenehme Zeitgenossen wie Ottringel wird es wohl leider immer geben.

Mindestens genauso unterhaltsam – aber statt ironisch bissig eher locker und leicht – ist von Arnims Bestseller Verzauberter April.

 

Rezension: Cathleen Schine – Eine Liebe in Manhattan ****

Im Original heißt das Buch schlicht und einfach The New Yorkers und genau darum geht es auch. Von einer schmalzigen Liebesgeschichte keine Spur. Vielmehr geht es um Nachbarn einer Straße an der New Yorker Upper West Side. Wie in vielen Großstädten kennt keiner den anderen und doch sehnen sich alle danach Teil der Nachbarschaft zu sein und nach ein wenig Zusammengehörigkeit.

Da ist Jody, Ende 30 und unverheiratet, für die sich alles um ihre Hündin Beatrice dreht. Ihr Nachbar Everett mag Menschen nicht, ist geschieden und hadert damit, dass seine Tochter erwachsen ist und ohne ihn klarkommt. Simon, ein sehr zurückgezogener Mensch, freut sich das ganze Jahr auf seinen Jagdurlaub in Virginia. Die junge, lebensfrohe Polly kümmert sich statt um sich selbst nur um ihren Bruder George. George wiederum kümmert sich liebevoll um einen Hundewelpen. Überhaupt spielt das Thema Hunde eine große Rolle.

Stück für Stück werden so die Geschichten dieser New Yorker miteinander verknüpft, ohne dass ein roter Faden erkennbar ist. Viel mehr hat man das Gefühl stundenlang am offenen Fenster zu stehen und Polly, Jody, George und all die anderen amüsiert zu beobachten.

Bildquelle: www.cathleenschine.com

 

Rezension: Laurie Viera Rigler – Confessions of a Jane Austen Addict *

Courtney wird im heutigen Los Angeles kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten mit der Hochzeitsplanerin betrogen. Um sich abzulenken verkriecht sie sich mit dem Roman Mansfield Park im Bett… und erwacht am nächsten Morgen plötzlich im Jahr 1813 in England als Jane Mansfield.

Die Idee eine Zeitreise mit historischen Personen und/oder literarischen Werken zu verbinden ist nicht neu aber großartig. Entscheidend ist eine gute Umsetzung. Und genau die konnte ich hier nicht finden. Nach nur wenigen Seiten war ich genervt von der Naivität und der ewigen Nörgelei der Protagonistin. Wie kann man denn als Leserin der Austen-Romane erstaunt darüber sein, dass es im 19. Jahrhundert kein fließendes Wasser gibt und es mit der Körperhygiene nicht weit her war? Also motzt Madame fröhlich weiter und weint ihrem ebenso miserablen amerikanischen Singleleben nach.

Die Krone wurde dem Ganzen dann aufgesetzt, als Courtney alias Jane Mansfield, auf ihr Idol Jane Austen trifft und sie auf die Verfilmungen der Romane anspricht. An dieser Stelle habe ich das Buch weggelegt.

Der Name Austen im Buchtitel sorgt ja bekanntlich für gute Umsatzzahlen, birgt aber auch die Gefahr des Vergleichs. Alles was Austen – meiner Meinung nach – ausmacht: ihre kritische Beobachtung der Gesellschaft, ihren ironischen Humor, ihre Sprachgewandtheit, die auch heute noch beeindruckt, die Gabe auch Banalitäten wie Spaziergänge oder Ballvorbereitungen interessant zu erzählen – all das hat Laurie Viera Rigler für mich nicht. Aus diesem  Grund wurde das Buch wahrscheinlich auch nie ins Deutsche übersetzt.

Rezension: Morgan Callan Rogers – Rubinrotes Herz, eisblaue See *****

In einem kleinen Ort in Maine, an der Ostküste der USA, lebt das Mädchen Florine zusammen mit ihren Eltern Carlie und Leeman in der Nähe der Großmutter. Gleich in der Nachbarschaft wohnen die Freunde Dottie, Bud und Glen. Alles ist wunderbar idyllisch und erinnert ein wenig an die Kinder aus Bullerbü. Bis zu dem Tag als Florines Mutter ohne ein Wort verschwindet. Niemand weiß, ob sie die Familie einfach so verlassen hat, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

In jedem Satz ist die Verzweiflung des Vaters und Florines spürbar. Das alles kommt – zum Glück – ohne herzzerreißende Worte und ohne viele Tränen aus. Gerade diese fehlende Rührseligkeit machte es für mich umso bewegender. Vater und Tochter versuchen einfach mit ihrem Leben weiter zu machen. Jeder auf seine Weise. Während Florine keinen Frieden findet, und auch nach Jahren noch auf die Rückkehr der Mutter hofft, ertränkt der Vater  seinen Kummer zuerst in Alkohol, und tröstet sich dann mit einer anderen Frau. Auch hier hat es mir beim Lesen fast das Herz zerrissen. Beide versuchen glücklich zu sein – und doch wird einer der beiden verletzt – in dem Fall Florine. So etwas wäre in Bullerbü nicht passiert 🙂

Obwohl das Buch keine Neuerscheinung ist, eignet es sich wunderbar als (Weihnachts-)geschenk. Es ist ein Buch übers Erwachsenwerden, tiefe Freundschaft, Familie, Verluste und Verzeihen.

Rezension: Anne Hertz – Die Sache mit meiner Schwester ***

Angezogen vom hübsch gestalteten Cover griff ich in der Bibliothek nach diesem Buch. Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es um die beiden Schwestern Nele und Heike, die zusammen unter dem Namen Sanne Gold sehr erfolgreich Bücher schreiben. Heike lebt mit ihrem Mann und drei Kindern im spießigen Haus mit Garten, während Nele als Single das Nachtleben und ihre Freiheit genießt. Als beide in einer Talkshow zu Gast sind, kommt es zum Eklat. Aufgebracht fahren die beiden davon und haben einen Autounfall bei dem Heike schwer verletzt wird. Hals über Kopf muß Nele Heikes Rolle einnehmen und den Haushalt schmeißen. Dabei stößt sie auf einige Ungereimtheiten in Heikes Leben.

Ich mag Bücher, in denen junge, vielleicht auch manchmal naive Frauen aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden, sich neu orientieren müssen und daran wachsen. Das ist vielleicht nicht immer sonderlich anspruchsvoll aber sehr unterhaltsam. Besonders vor dem Hintergrund, dass dieser Roman tatsächlich von zwei Schwestern unter dem gemeinsamen Pseudonym Anne Hertz geschrieben wurde, fand ich die Idee sehr witzig.

Leider strotzte das Buch vor Namensverwechslungen, Tipp- und Grammatikfehlern. Darüber hinaus gab es auch noch Widersprüche im Text. So schaut beispielsweise Nele mit ihrer Freundin auf eine Facebookseite und fährt danach den Computer herunter. Nach einer kurzen Unterhaltung schließt sie den Browser. Auch die ständige Großschreibung und Wortwiederholungen waren wirklich, wirklich, WIRKLICH (Zitat!) nervig. Die erwartet man eher in der WhatsApp-Nachricht einer Fünfzehnjährigen. Am Ende des Buches danken die beiden Autorinnen auch noch der Lektorin Katrin Andres und Matthias Willig für das unermüdliche Lesen und Korrigieren. Mag sein, dass die beiden uns Leser vor dem Schlimmsten bewahrt haben. Aber gut ist anders.