Rezension: Dashiell Hammett – Der Malteser Falke ***

Als mir eine Freundin ganz begeistert von der Berliner Krimibuchhandlung HAMMETT – benannt nach dem US-amerikanischen Kriminalautor Dashiell Hammett – erzählte, wollte ich wissen, ob die Huldigung berechtigt ist und las eines seiner berühmtesten Bücher „Der Malteser Falke“.

Wie bei Krimis üblich, kann man die Handlung ganz kurz zusammenfassen: Der Privatdetektiv Sam Spade wird von der attraktiven Klientin Brigid engagiert, da diese Angst vor einem Mann namens Floyd Thursby hat. Kurz darauf wird nicht nur Spades Partner, sondern auch Thursby tot aufgefunden. Als Spade der Sache auf den Grund geht, kommt er auf die Spur einer wertvollen Skulptur, dem Malteser Falken, hinter der einige Leute her sind.

Was sich nach einer spannenden Suche nach dem Vogel und detektivischer Mordermittlung anhört, verlor sich in sich ständig wiederholenden Beschreibungen. Gefühlt besteht der Text zur Hälfte aus Adjektiven, die detailliert die Mimik der Charaktere, wechselnde Augen- und Gesichtsfarben, Nacken, Schläfen, bis hin zu den Füßen beschreiben. Wie von einem Werk aus den 1930ern zu erwarten, fließt der Alkohol in Strömen und es wird geraucht, was das Zeug hält. Auch das Klischee des machohaften Detektivs, der mit jeder Frau ins Bett steigt, wird bedient.

Gefallen hat mir, dass es kein klassisches Gut und Böse gibt. Keiner der Beteiligten lässt sich in die Karten schauen und versucht seinen Vorteil herauszuschlagen. Süß fand ich, dass trotz aller Morde und der korrupten Protagonisten, die Worte leck mich am Arsch umschrieben wurden mit: „vier kurze, einsilbige Worte, deren letztes mit A anfing“.

Spannung kam bei mir leider gar nicht auf, was nicht nur an den häufigen Beschreibungen, sondern auch an den Kapitelüberschriften lag, die die Handlung oft vorweg nahmen.

Einen Besuch werde ich der Buchhandlung dennoch abstatten. Auch wenn Dashiell Hammett und ich wohl keine Freunde werden, hoffe ich auf eine gute Krimiauswahl.

Bildquelle: Diogenes Verlag AG

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Rezension: Melissa Bank – Dinge, die Frauen aus Liebe tun *

Sophie, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in einem Vorort von Philadelphia, zieht nach dem College nach New York City. Dort hangelt sie sich unmotiviert von Job zu Job, und auch in Sachen Beziehung läuft es mehr schlecht als recht. Was sich nach einem typischen Girl-in-the-City-Roman anhört, entpuppte sich leider als langweilige Aneinanderreihung bedeutungsloser Episoden aus Sophies Leben.

Es gab wirklich nichts, womit die Autorin versuchte einem Sophie nahe zu bringen. Sie hat keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern oder Geschwistern. Sie sorgt sich um ihren Bruder, lässt aber keine Taten folgen. Sie sagt sie liebt ihren plötzlich auftauchenden Freund (der vorher nicht in die Handlung eingeführt wurde), das merkt man jedoch nicht. Sie hat seit der Schulzeit eine beste Freundin, der sie aber nicht nahe ist. Sie betont immer wieder wie wichtig ihr der Job ist, und doch kommt sie ständig zu spät.

Diese Unentschlossenheit mag als Ausgangsbasis eines Buches gut geeignet sein. Als allerdings keine Entwicklung folgte, war ich einfach nur genervt.

Ähnlich oberflächlich wie Sophies Charakter dargestellt wurde, so unmotiviert ist das Umfeld der Protagonistin beschrieben. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, aber man erfährt außer den üblichen Bräuchen – wie koscheres Essen und Bar Mitzwa – nichts näheres über den Glauben. Schade um die Zeit, die für dieses oberflächliche Buch drauf gegangen ist.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Scott Smith – Ein ganz einfacher Plan ***

Was würde man tun, wenn man mit seinen Freunden 4,4 Millionen Dollar findet? Genau diese Frage stellt sich Hank, seinem Bruder Jacob und dessen Freund Lou. Auf einem verschneiten Acker im Nirgendwo finden sie ein abgestürztes Flugzeug. In ihm sitzt der tote Pilot mit einer Tasche voller Geld. Schnell fassen sie einen Plan: Etwas Gras über die Sache wachsen lassen und dann wird geteilt. Dumm nur, wenn sich jemand nicht an die Vereinbarung hält. So erwachen schnell Gier und Misstrauen.

Was nach einer spannenden Idee klingt, verlor sich leider in langatmigen Landschaftsbeschreibungen und gegenseitigen Drohungen, weil einer dem anderen nicht vertraut und die Sache immer mehr aus dem Ruder läuft. So war ich nach ein paar hundert Seiten ziemlich erleichtert, als es endlich zum blutigen Showdown kommt.

Spannung kam leider an keiner Stelle auf. Lediglich die Entwicklung vom braven Durchschnittbürger zum Mörder ohne Reue war interessant dargestellt.

Mein Fazit: Guter Plan, der allerdings an der unkreativen Umsetzung gescheitert.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Lori Nelson Spielman – Und nebenan warten die Sterne ***

Wie auch schon im ersten Roman der Autorin, „Morgen kommt ein neuer Himmel“, geht es auch in ihrem dritten Buch um den Tod eines geliebten Menschen.

Kristen, Anfang 20, stirbt bei einem Zugunglück auf dem Weg zum College. Nach ihrem Tod stürzt sich ihre Mutter Erika in die Arbeit und macht Karriere um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen. Dadurch bekommt Erikas andere Tochter, Annie, immer mehr das Gefühl, dass ihre Mutter Kristen mehr geliebt hat bzw. immer noch liebt. Sie glaubt nämlich, dass die Schwester noch am Leben ist und in Paris lebt. Also macht sie sich auf die Suche.

Nach den erfolgreichen Romanen „Morgen kommt ein neuer Himmel“ und „Nur einen Horizont“ entfernt, hatte ich das Gefühl die Autorin und der Verlag nehmen alle Erfolgsfaktoren der ersten beiden Bücher, packen noch eine Schippe drauf und schon läuft das Ganze. Für mich wurden dadurch zu viele Themen auf einmal abgehandelt: die Trauer über den Unfalltod, die Schuldgefühle von Erika und Annie, alte Familienstreitigkeiten, Lebensweisheiten in Form von Sprüchen und Zitaten, eine Liebesgeschichte, das Zueinanderfinden von Mutter und Tochter und zu guter Letzt erhält Erika auch noch geheimnisvolle E-Mails. Dadurch blieb leider das Gefühl auf der Strecke, wodurch auch die Charaktere etwas hölzern und fremd wirkten.

Aber schließlich gibt es auch hierzu den passenden Spruch: Manchmal ist weniger mehr.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

 

Rezension: Cathleen Schine – Eine Liebe in Manhattan ****

Im Original heißt das Buch schlicht und einfach The New Yorkers und genau darum geht es auch. Von einer schmalzigen Liebesgeschichte keine Spur. Vielmehr geht es um Nachbarn einer Straße an der New Yorker Upper West Side. Wie in vielen Großstädten kennt keiner den anderen und doch sehnen sich alle danach Teil der Nachbarschaft zu sein und nach ein wenig Zusammengehörigkeit.

Da ist Jody, Ende 30 und unverheiratet, für die sich alles um ihre Hündin Beatrice dreht. Ihr Nachbar Everett mag Menschen nicht, ist geschieden und hadert damit, dass seine Tochter erwachsen ist und ohne ihn klarkommt. Simon, ein sehr zurückgezogener Mensch, freut sich das ganze Jahr auf seinen Jagdurlaub in Virginia. Die junge, lebensfrohe Polly kümmert sich statt um sich selbst nur um ihren Bruder George. George wiederum kümmert sich liebevoll um einen Hundewelpen. Überhaupt spielt das Thema Hunde eine große Rolle.

Stück für Stück werden so die Geschichten dieser New Yorker miteinander verknüpft, ohne dass ein roter Faden erkennbar ist. Viel mehr hat man das Gefühl stundenlang am offenen Fenster zu stehen und Polly, Jody, George und all die anderen amüsiert zu beobachten.

Bildquelle: www.cathleenschine.com

 

Rezension: Don Winslow – Missing. New York ***

Wenn Kinder verschwinden, ist das im realen Leben unfassbar tragisch, in Thrillern jedoch sehr spannend. In diesem Roman verschwindet die 7-jährige Hailey beim Spielen, als ihre Mutter sie für einen kurzen Moment aus den Augen lässt. Kurze Zeit später wird ein weiteres Mädchen entführt. Von ihm wird schnell die Leiche gefunden. Doch dem Polizisten Frank Decker lässt Haileys Fall keine Ruhe. Lebt sie noch? Da die Polizei das Mädchen aufgegeben hat, kündigt er seinen Job und ermittelt auf eigene Faust quer durch die USA, bis die Suche ihn schließlich nach New York führt.

Frank Decker erinnerte mich ein wenig an Lucky Luke, den einsamen Cowboy, der für Recht und Ordnung sorgt und dabei auf seinen Job, seine Altersvorsorge und die Ehe mit seiner Frau Laura pfeift. Dieser Alleingang, der schon fast zum Selbstfindungstrip wird, nimmt so viel Raum ein, dass das eigentliche, ernste Thema nur sehr oberflächlich abgehandelt wird. Einige zeitliche Lücken und die schlechte – zum Teil wortwörtliche – Übersetzung mit seltsamen sprachlichen Wendungen trugen ebenfalls dazu bei, dass der Thriller eher durchschnittlich ist und mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

Rezension: Morgan Callan Rogers – Rubinrotes Herz, eisblaue See *****

In einem kleinen Ort in Maine, an der Ostküste der USA, lebt das Mädchen Florine zusammen mit ihren Eltern Carlie und Leeman in der Nähe der Großmutter. Gleich in der Nachbarschaft wohnen die Freunde Dottie, Bud und Glen. Alles ist wunderbar idyllisch und erinnert ein wenig an die Kinder aus Bullerbü. Bis zu dem Tag als Florines Mutter ohne ein Wort verschwindet. Niemand weiß, ob sie die Familie einfach so verlassen hat, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

In jedem Satz ist die Verzweiflung des Vaters und Florines spürbar. Das alles kommt – zum Glück – ohne herzzerreißende Worte und ohne viele Tränen aus. Gerade diese fehlende Rührseligkeit machte es für mich umso bewegender. Vater und Tochter versuchen einfach mit ihrem Leben weiter zu machen. Jeder auf seine Weise. Während Florine keinen Frieden findet, und auch nach Jahren noch auf die Rückkehr der Mutter hofft, ertränkt der Vater  seinen Kummer zuerst in Alkohol, und tröstet sich dann mit einer anderen Frau. Auch hier hat es mir beim Lesen fast das Herz zerrissen. Beide versuchen glücklich zu sein – und doch wird einer der beiden verletzt – in dem Fall Florine. So etwas wäre in Bullerbü nicht passiert 🙂

Obwohl das Buch keine Neuerscheinung ist, eignet es sich wunderbar als (Weihnachts-)geschenk. Es ist ein Buch übers Erwachsenwerden, tiefe Freundschaft, Familie, Verluste und Verzeihen.