Rezension: Scott Smith – Ein ganz einfacher Plan ***

Was würde man tun, wenn man mit seinen Freunden 4,4 Millionen Dollar findet? Genau diese Frage stellt sich Hank, seinem Bruder Jacob und dessen Freund Lou. Auf einem verschneiten Acker im Nirgendwo finden sie ein abgestürztes Flugzeug. In ihm sitzt der tote Pilot mit einer Tasche voller Geld. Schnell fassen sie einen Plan: Etwas Gras über die Sache wachsen lassen und dann wird geteilt. Dumm nur, wenn sich jemand nicht an die Vereinbarung hält. So erwachen schnell Gier und Misstrauen.

Was nach einer spannenden Idee klingt, verlor sich leider in langatmigen Landschaftsbeschreibungen und gegenseitigen Drohungen, weil einer dem anderen nicht vertraut und die Sache immer mehr aus dem Ruder läuft. So war ich nach ein paar hundert Seiten ziemlich erleichtert, als es endlich zum blutigen Showdown kommt.

Spannung kam leider an keiner Stelle auf. Lediglich die Entwicklung vom braven Durchschnittbürger zum Mörder ohne Reue war interessant dargestellt.

Mein Fazit: Guter Plan, der allerdings an der unkreativen Umsetzung gescheitert.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

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Rezension: Graeme Simsion – Der Rosie-Effekt *****

Nachdem „Das Rosie-Projekt“ und die damit verbundene Suche nach einer geeigneten Ehefrau erfolgreich abgeschlossen ist, werden die Probleme für Don Tilman nicht weniger. Don, hochintelligent, Genetikprofessor, und für die normale Welt nicht geschaffen, wird Vater. Gewohnt wissenschaftlich und effizient nähert er sich dem menschlichen Reproduktionsprozess. Seine Recherche führt ihn auf einen New Yorker Spielplatz und damit direkt in Polizeigewahrsam. Nachdem er überzeugend erklärt hat, dass er kein Kinderschänder ist, assistiert er bei der Geburt eines Kalbs, um für den großen Tag der Geburt, gut vorbereitet zu sein. Völlig eingenommen von dieser Forschungsarbeit droht seine Beziehung zu Rosie jedoch zu zerbrechen.

Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Fortsetzungen, die fast nahtlos an ihren ersten Teil anknüpfen. Don und Rosie sind noch genauso sympathisch, verrückt und unterhaltsam. Und auch Dons bester Freund Gene sorgt wieder für einigen Wirbel. Wer sympathisch schräge Charaktere mag, sollte unbedingt „Das Rosie–Projekt“ und danach  „Der Rosie-Effekt“ lesen.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Lori Nelson Spielman – Und nebenan warten die Sterne ***

Wie auch schon im ersten Roman der Autorin, „Morgen kommt ein neuer Himmel“, geht es auch in ihrem dritten Buch um den Tod eines geliebten Menschen.

Kristen, Anfang 20, stirbt bei einem Zugunglück auf dem Weg zum College. Nach ihrem Tod stürzt sich ihre Mutter Erika in die Arbeit und macht Karriere um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen. Dadurch bekommt Erikas andere Tochter, Annie, immer mehr das Gefühl, dass ihre Mutter Kristen mehr geliebt hat bzw. immer noch liebt. Sie glaubt nämlich, dass die Schwester noch am Leben ist und in Paris lebt. Also macht sie sich auf die Suche.

Nach den erfolgreichen Romanen „Morgen kommt ein neuer Himmel“ und „Nur einen Horizont“ entfernt, hatte ich das Gefühl die Autorin und der Verlag nehmen alle Erfolgsfaktoren der ersten beiden Bücher, packen noch eine Schippe drauf und schon läuft das Ganze. Für mich wurden dadurch zu viele Themen auf einmal abgehandelt: die Trauer über den Unfalltod, die Schuldgefühle von Erika und Annie, alte Familienstreitigkeiten, Lebensweisheiten in Form von Sprüchen und Zitaten, eine Liebesgeschichte, das Zueinanderfinden von Mutter und Tochter und zu guter Letzt erhält Erika auch noch geheimnisvolle E-Mails. Dadurch blieb leider das Gefühl auf der Strecke, wodurch auch die Charaktere etwas hölzern und fremd wirkten.

Aber schließlich gibt es auch hierzu den passenden Spruch: Manchmal ist weniger mehr.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

 

Rezension: Elizabeth von Arnim – Die Reisegesellschaft ****

Dieses Buch aus dem Jahr 1909 ist ein fiktionaler Reisebericht aus Sicht des Barons Otto von Ottringel. Dieser möchte zu Ehren seiner Silberhochzeit (zwanzig Jahre mit seiner ersten Frau, fünf Jahre mit der zweiten Frau) eine Reise machen. Da Ottringel für eine standesgemäße Reise zu geizig ist, schließt sich das Ehepaar einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an, die einen Monat mit Pferd und Wohnwagen durch Südengland zieht. Während sich alle trotz schlechten Wetters und aller Beschwerlichkeit, die solch eine Tour Anfang des 20. Jahrhunderts mit sich bringt, amüsieren, eckt der Selbstherrliche bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Neben seiner sonst so gehorsamen Frau, die während des Urlaubs langsam aufblüht, versucht er seine Mitreisenden zu erziehen und von seiner Sicht auf die Welt zu überzeugen. Die Ähnlichkeiten zwischen Ottringel und Elizabeth von Arnims Ex-Mann, einem preußischen Grafen, scheinen nicht ganz zufällig 🙂 und auch wenn das Buch schon mehr als 100 Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren. Unangenehme Zeitgenossen wie Ottringel wird es wohl leider immer geben.

Mindestens genauso unterhaltsam – aber statt ironisch bissig eher locker und leicht – ist von Arnims Bestseller Verzauberter April.

 

Rezension: Cathleen Schine – Eine Liebe in Manhattan ****

Im Original heißt das Buch schlicht und einfach The New Yorkers und genau darum geht es auch. Von einer schmalzigen Liebesgeschichte keine Spur. Vielmehr geht es um Nachbarn einer Straße an der New Yorker Upper West Side. Wie in vielen Großstädten kennt keiner den anderen und doch sehnen sich alle danach Teil der Nachbarschaft zu sein und nach ein wenig Zusammengehörigkeit.

Da ist Jody, Ende 30 und unverheiratet, für die sich alles um ihre Hündin Beatrice dreht. Ihr Nachbar Everett mag Menschen nicht, ist geschieden und hadert damit, dass seine Tochter erwachsen ist und ohne ihn klarkommt. Simon, ein sehr zurückgezogener Mensch, freut sich das ganze Jahr auf seinen Jagdurlaub in Virginia. Die junge, lebensfrohe Polly kümmert sich statt um sich selbst nur um ihren Bruder George. George wiederum kümmert sich liebevoll um einen Hundewelpen. Überhaupt spielt das Thema Hunde eine große Rolle.

Stück für Stück werden so die Geschichten dieser New Yorker miteinander verknüpft, ohne dass ein roter Faden erkennbar ist. Viel mehr hat man das Gefühl stundenlang am offenen Fenster zu stehen und Polly, Jody, George und all die anderen amüsiert zu beobachten.

Bildquelle: www.cathleenschine.com

 

Rezension: Don Winslow – Missing. New York ***

Wenn Kinder verschwinden, ist das im realen Leben unfassbar tragisch, in Thrillern jedoch sehr spannend. In diesem Roman verschwindet die 7-jährige Hailey beim Spielen, als ihre Mutter sie für einen kurzen Moment aus den Augen lässt. Kurze Zeit später wird ein weiteres Mädchen entführt. Von ihm wird schnell die Leiche gefunden. Doch dem Polizisten Frank Decker lässt Haileys Fall keine Ruhe. Lebt sie noch? Da die Polizei das Mädchen aufgegeben hat, kündigt er seinen Job und ermittelt auf eigene Faust quer durch die USA, bis die Suche ihn schließlich nach New York führt.

Frank Decker erinnerte mich ein wenig an Lucky Luke, den einsamen Cowboy, der für Recht und Ordnung sorgt und dabei auf seinen Job, seine Altersvorsorge und die Ehe mit seiner Frau Laura pfeift. Dieser Alleingang, der schon fast zum Selbstfindungstrip wird, nimmt so viel Raum ein, dass das eigentliche, ernste Thema nur sehr oberflächlich abgehandelt wird. Einige zeitliche Lücken und die schlechte – zum Teil wortwörtliche – Übersetzung mit seltsamen sprachlichen Wendungen trugen ebenfalls dazu bei, dass der Thriller eher durchschnittlich ist und mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

Rezension: Keigo Higashino – Heilige Mörderin ****

Wer genug von skandinavischen Krimis mit wortkargen, versoffenen Kommissaren in der Midlife-Crisis und amerikanischen alleinerziehenden Detectives hat, deren Ehe wegen des Arbeitspensums auf der Strecke geblieben ist, dem kann ich diesen japanischen Krimi wärmstens empfehlen. Hier erfährt man nichts über das Privatleben der Ermittler und statt Alkohol wird Tee serviert. Auch Blut und eine verstümmelte Leiche sucht man vergeblich.
Stattdessen wird der Unternehmer Yoshitaka mit Arsen vergiftet. Kurz zuvor hatte er verkündet, dass er die Scheidung einreicht, da seine Frau Ayane keine Kinder bekommen kann. Das Motiv und die Täterin sind also von Anfang an bekannt. Doch Ayane hat ein wasserdichtes Alibi: sie war zum Zeitpunkt des Mordes nicht in der Stadt.
Obwohl ich von der eiskalten Einstellung des Opfers entsetzt war, konnte ich kein Mitgefühl für die Ehefrau empfinden. Da hatten sich zwei vom gleichen Kaliber gefunden. Auch für das Ermittlerteam Inspektor Kusanagi und seine Assistentin Utsumi kamen bei mir keine Sympathien auf. Doch das machte für mich den Reiz des Buches aus. Mit seinen sparsamen Beschreibungen blieb alles sehr unpersönlich und wenig emotional – so auch die Charaktere, die um jeden Preis Haltung wahren und keine Schwäche zeigen durften.

Bildquelle: Klett-Cotta Verlag