Rezension: Dashiell Hammett – Der Malteser Falke ***

Als mir eine Freundin ganz begeistert von der Berliner Krimibuchhandlung HAMMETT – benannt nach dem US-amerikanischen Kriminalautor Dashiell Hammett – erzählte, wollte ich wissen, ob die Huldigung berechtigt ist und las eines seiner berühmtesten Bücher „Der Malteser Falke“.

Wie bei Krimis üblich, kann man die Handlung ganz kurz zusammenfassen: Der Privatdetektiv Sam Spade wird von der attraktiven Klientin Brigid engagiert, da diese Angst vor einem Mann namens Floyd Thursby hat. Kurz darauf wird nicht nur Spades Partner, sondern auch Thursby tot aufgefunden. Als Spade der Sache auf den Grund geht, kommt er auf die Spur einer wertvollen Skulptur, dem Malteser Falken, hinter der einige Leute her sind.

Was sich nach einer spannenden Suche nach dem Vogel und detektivischer Mordermittlung anhört, verlor sich in sich ständig wiederholenden Beschreibungen. Gefühlt besteht der Text zur Hälfte aus Adjektiven, die detailliert die Mimik der Charaktere, wechselnde Augen- und Gesichtsfarben, Nacken, Schläfen, bis hin zu den Füßen beschreiben. Wie von einem Werk aus den 1930ern zu erwarten, fließt der Alkohol in Strömen und es wird geraucht, was das Zeug hält. Auch das Klischee des machohaften Detektivs, der mit jeder Frau ins Bett steigt, wird bedient.

Gefallen hat mir, dass es kein klassisches Gut und Böse gibt. Keiner der Beteiligten lässt sich in die Karten schauen und versucht seinen Vorteil herauszuschlagen. Süß fand ich, dass trotz aller Morde und der korrupten Protagonisten, die Worte leck mich am Arsch umschrieben wurden mit: „vier kurze, einsilbige Worte, deren letztes mit A anfing“.

Spannung kam bei mir leider gar nicht auf, was nicht nur an den häufigen Beschreibungen, sondern auch an den Kapitelüberschriften lag, die die Handlung oft vorweg nahmen.

Einen Besuch werde ich der Buchhandlung dennoch abstatten. Auch wenn Dashiell Hammett und ich wohl keine Freunde werden, hoffe ich auf eine gute Krimiauswahl.

Bildquelle: Diogenes Verlag AG

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Rezension: Ingrid Noll – Kalt ist der Abendhauch ****

Auch wenn der Titel vielleicht etwas anderes vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine sehr skurrile und witzige Familiengeschichte. Erzählt wird diese von der 83-jährigen Charlotte, die allein mit ihrer Schaufensterpuppe Hulda lebt. Kurz bevor Charlottes große Liebe, Hugo – der obendrein der Ehemann ihrer Schwester ist – nach vielen Jahren zu Besuch kommt, schwelgt sie in lustigen aber auch traurigen Erinnerungen. Dabei kommt nicht nur eine Leiche im Keller zum Vorschein, sondern auch Kriegserlebnisse, Verluste, Eifersucht und das unberechenbare Timing der Liebe.

Charlotte mit ihrer unkonventionellen Art muss man einfach lieben. Dabei ist sie gleichzeitig unglaublich weise und berichtet schonungslos über das Älterwerden. Dass sie es (noch immer) faustdick hinter den Ohren hat, wird in unzähligen Anekdoten auf gerade mal 246 Seiten erzählt. Dabei wechseln geschickt die Gesprächspartner und so verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart.

Den fünften Stern auf meiner Bewertungsskala habe ich nur nicht vergeben, um für ihre weiteren Werke, die ich alle noch lesen möchte, etwas Luft nach oben zu haben. Ich bin gespannt, wie Nolls andere Heldinnen ihre Männer beseitigen. Denn soviel sei schon mal gesagt: das ist das zentrale Thema der Autorin.

Auch die Verfilmung mit August Diehl und Fritzi Haberlandt kann ich nur wärmstens empfehlen.

Bildquelle: Diogenes Verlag AG

Rezension: Sarah Vaughan -Die Zutaten des Glücks ***

Werdet ihr auch häufig von bestimmten Buchcovern angezogen? Bei mir sind es türkis-pink-farbige Bücher. Das zum Beispiel, das oder das. Deshalb bin ich auch hier schwach geworden, obwohl mich der Inhalt auf den ersten Blick gar nicht wirklich ansprach.

Es geht um einen Backwettbewerb, das Schicksal einer gefeierten Backbuchautorin der 1960er-Jahre und die Lebensgeschichte der Teilnehmer des Wettbewerbs. Da ist Jenny, Mutter dreier erwachsener Töchter, die in den letzten Jahren einige Kilos zugelegt hat. Ihr Mann hingegen trainiert für den Pariser Marathon und betrügt sie mit ihrer Freundin.  Vicki, Grundschullehrerin in Elternzeit, zweifelt an ihren Fähigkeiten als gute Mutter. Die alleinerziehende Claire bringt sich und ihre kleine Tochter mit ihrem Job als Supermarktkassiererin über die Runden, und kann sich die Backzutaten kaum leisten. Karen versucht durch ihren Perfektionismus gleich mehrere Familiengeheimnisse zu vertuschen. Und zu guter letzt Mike, der den Tod seiner Frau nur langsam verarbeitet.

Der Anfang des Buches wird dominiert von der Backleidenschaft und die Erzählungen der Frauen kommen nur langsam in Fahrt. Zum Glück ändert sich das Verhältnis gegen Ende, die Geschichten gewinnen an Tiefe und Gefühl, so dass das Backen in den Hintergrund gerät. Gut gefallen hat mir, dass es kein klassisches Happy End mit rosa Zuckerwatte gibt, sondern ganz subtil angedeutet wird, wie das Leben der Protagonisten nach der Verkündung des Gewinners weitergeht.

Bildquelle: Bastei Lübbe AG

Rezension: Melissa Bank – Dinge, die Frauen aus Liebe tun *

Sophie, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in einem Vorort von Philadelphia, zieht nach dem College nach New York City. Dort hangelt sie sich unmotiviert von Job zu Job, und auch in Sachen Beziehung läuft es mehr schlecht als recht. Was sich nach einem typischen Girl-in-the-City-Roman anhört, entpuppte sich leider als langweilige Aneinanderreihung bedeutungsloser Episoden aus Sophies Leben.

Es gab wirklich nichts, womit die Autorin versuchte einem Sophie nahe zu bringen. Sie hat keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern oder Geschwistern. Sie sorgt sich um ihren Bruder, lässt aber keine Taten folgen. Sie sagt sie liebt ihren plötzlich auftauchenden Freund (der vorher nicht in die Handlung eingeführt wurde), das merkt man jedoch nicht. Sie hat seit der Schulzeit eine beste Freundin, der sie aber nicht nahe ist. Sie betont immer wieder wie wichtig ihr der Job ist, und doch kommt sie ständig zu spät.

Diese Unentschlossenheit mag als Ausgangsbasis eines Buches gut geeignet sein. Als allerdings keine Entwicklung folgte, war ich einfach nur genervt.

Ähnlich oberflächlich wie Sophies Charakter dargestellt wurde, so unmotiviert ist das Umfeld der Protagonistin beschrieben. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, aber man erfährt außer den üblichen Bräuchen – wie koscheres Essen und Bar Mitzwa – nichts näheres über den Glauben. Schade um die Zeit, die für dieses oberflächliche Buch drauf gegangen ist.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH