Rezension: Morgan Callan Rogers – Rubinrotes Herz, eisblaue See *****

In einem kleinen Ort in Maine, an der Ostküste der USA, lebt das Mädchen Florine zusammen mit ihren Eltern Carlie und Leeman in der Nähe der Großmutter. Gleich in der Nachbarschaft wohnen die Freunde Dottie, Bud und Glen. Alles ist wunderbar idyllisch und erinnert ein wenig an die Kinder aus Bullerbü. Bis zu dem Tag als Florines Mutter ohne ein Wort verschwindet. Niemand weiß, ob sie die Familie einfach so verlassen hat, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

In jedem Satz ist die Verzweiflung des Vaters und Florines spürbar. Das alles kommt – zum Glück – ohne herzzerreißende Worte und ohne viele Tränen aus. Gerade diese fehlende Rührseligkeit machte es für mich umso bewegender. Vater und Tochter versuchen einfach mit ihrem Leben weiter zu machen. Jeder auf seine Weise. Während Florine keinen Frieden findet, und auch nach Jahren noch auf die Rückkehr der Mutter hofft, ertränkt der Vater  seinen Kummer zuerst in Alkohol, und tröstet sich dann mit einer anderen Frau. Auch hier hat es mir beim Lesen fast das Herz zerrissen. Beide versuchen glücklich zu sein – und doch wird einer der beiden verletzt – in dem Fall Florine. So etwas wäre in Bullerbü nicht passiert 🙂

Obwohl das Buch keine Neuerscheinung ist, eignet es sich wunderbar als (Weihnachts-)geschenk. Es ist ein Buch übers Erwachsenwerden, tiefe Freundschaft, Familie, Verluste und Verzeihen.

Klassiker: Thomas Mann – Tristan

Bis jetzt habe ich nur wenige Novellen gelesen. Ich war immer der Meinung, dass mir durch die Kürze des Textes, die enge Beziehung zu den Charakteren fehlt. Da kam mir eine Lesegruppe gerade recht. Gemeinsames Lesen und der Austausch motiviert vielleicht. Per Zufallsgenerator wurde Tristan von Thomas Mann ausgelost.

Die Erzählung aus dem Jahr 1903 spielt in Einfried, einem Sanatorium. Zu den Patienten gehören die Ehefrau des Großkaufmanns Klöterjahn, die an einer Erkankung der Luftröhre leidet, die Magistratsrätin Spatz sowie Detlev Spinell, ein mehr oder weniger erfolgloser Schriftsteller, der kerngesund seine Zeit im Sanatorium verbringt. Wie sich die Geschehnisse in der Heilanstalt bis hin zum großen Schlagabtausch zuspitzen, möchte ich der Spannung wegen nicht verraten. Nur so viel: Verbal wird einiges geboten, über das ich mich köstlich amüsiert habe. Einerseits hat es mich sehr überrascht, andererseits ließen es die humorvolle Namensgebung der Personen und die bissig ironischen Charakterisierungen schon erahnen. Beindruckt vom Schauplatz Sanatorium, bin ich nun gespannt auf Manns Roman „Der Zauberberg“, der in einer ähnlichen Umgebung spielt.

Bildquelle: H.-P.Haack», CC BY-SA 3.0

Rezension: Anne Hertz – Die Sache mit meiner Schwester ***

Angezogen vom hübsch gestalteten Cover griff ich in der Bibliothek nach diesem Buch. Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es um die beiden Schwestern Nele und Heike, die zusammen unter dem Namen Sanne Gold sehr erfolgreich Bücher schreiben. Heike lebt mit ihrem Mann und drei Kindern im spießigen Haus mit Garten, während Nele als Single das Nachtleben und ihre Freiheit genießt. Als beide in einer Talkshow zu Gast sind, kommt es zum Eklat. Aufgebracht fahren die beiden davon und haben einen Autounfall bei dem Heike schwer verletzt wird. Hals über Kopf muß Nele Heikes Rolle einnehmen und den Haushalt schmeißen. Dabei stößt sie auf einige Ungereimtheiten in Heikes Leben.

Ich mag Bücher, in denen junge, vielleicht auch manchmal naive Frauen aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden, sich neu orientieren müssen und daran wachsen. Das ist vielleicht nicht immer sonderlich anspruchsvoll aber sehr unterhaltsam. Besonders vor dem Hintergrund, dass dieser Roman tatsächlich von zwei Schwestern unter dem gemeinsamen Pseudonym Anne Hertz geschrieben wurde, fand ich die Idee sehr witzig.

Leider strotzte das Buch vor Namensverwechslungen, Tipp- und Grammatikfehlern. Darüber hinaus gab es auch noch Widersprüche im Text. So schaut beispielsweise Nele mit ihrer Freundin auf eine Facebookseite und fährt danach den Computer herunter. Nach einer kurzen Unterhaltung schließt sie den Browser. Auch die ständige Großschreibung und Wortwiederholungen waren wirklich, wirklich, WIRKLICH (Zitat!) nervig. Die erwartet man eher in der WhatsApp-Nachricht einer Fünfzehnjährigen. Am Ende des Buches danken die beiden Autorinnen auch noch der Lektorin Katrin Andres und Matthias Willig für das unermüdliche Lesen und Korrigieren. Mag sein, dass die beiden uns Leser vor dem Schlimmsten bewahrt haben. Aber gut ist anders.