Rezension: Sebastian Fitzek – Der Nachtwandler ****

Manche Leute schnarchen, andere reden im Schlaf. Was man genau macht kann man nie wissen. Doch was, wenn man plötzlich aufwacht und die Freundin mit Gesichtsverletzungen völlig verstört die gemeinsame Wohnung verlässt. So ergeht es dem Architekten Leon Nader, der mit seiner Freundin eigentlich in einer glücklichen Beziehung lebt.

Schon als Jugendlicher wurde er wegen Schlafstörungen und Nachwandeln behandelt. Doch er galt als geheilt. Bis dahin. Um herauszufinden, was sein schlafendes Ich treibt, besorgt er sich eine Kamera, die Unglaubliches filmt…

Sebastian Fitzek spielt, wie schon so oft, ein perfekt inszeniertes Verwirrspiel zwischen Realität, Traum und Einbildung. Mein Verdacht änderte sich von Seite zu Seite. Immer wenn ich dachte, dass alles zusammenpasst, gab es eine neue Wendung.

Der Nachtwandler sorgte bei mir zwar für keine schlaflose Nacht aber doch für langanhaltenden Nervenkitzel.

Bildquelle: www.sebastianfitzek.de

Weitere von mir rezensierte Fitzek-Romane: Die TherapiePassagier 23 und Der Augensammler.

Rezension: Juliet Ashton – Ein letzter Brief von dir ***

Als ich den Titel das erste Mal las, musste ich sofort an das Buch bzw. den Film „P.S. Ich liebe dich“ denken. Im Gegensatz dazu, geht es hier nicht um die große Liebe, die über den Tod hinaus geht, sondern darum, dass die Person, die man liebt nicht so ist/war, wie man immer geglaubt hat. Dies muß Orla auf schmerzliche Weise lernen. Am Valentinstag bekommt sie von ihrem Freund Sim eine Karte mit dem hoffentlich lang ersehnten Heiratsantrag. Im selben Moment, als sie den Umschlag vom Postboten bekommt, erfährt sie am Telefon, dass Sim tot auf der Straße zusammengebrochen ist. In tiefer Trauer fliegt sie nach London um seine Wohnung aufzulösen. Je mehr Zeit sie dort verbringt, umso weniger hat sie das Gefühl Sim gekannt zu haben.

So beginnt ein munterer Mix aus Rückblick auf die Beziehung der beiden, Sims Tagebucheinträge und der Gegenwart, in der sie sich immer mehr verändert.

Von Anfang an war klar, dass in der Karte kein Antrag war ( was für ihn spricht 🙂 ). Doch die Autorin versteht es, einen auf mehrere Irrwege zu lenken, bis es endlich zu Auflösung kommt.

Auf der Suche nach der Wahrheit und ihren Gefühlen ging mir die Protagonistin Orla ein wenig auf die Nerven. Immer wieder stand sie sich mit ihrem ewigen Gejammer und irrationalen Handeln selbst im Weg. Alle anderen Charaktere hingegen waren interessant und sympathisch dargestellt. Ich mochte den geheimnisvollen Marek, die Vermieterin Maude mit ihrem kleinen Buchladen und die rebellische Bogna, Orlas Schülerin. Daher geriet ich in einen gewissen Lesesog und habe das Buch an nur einem Wochenende gelesen. Darüberhinaus wird mir das Buch allerdings nicht groß in Erinnerung bleiben.

Bildquelle: Rowohlt Verlag GmbH

Rezension: Jeannette Walls – Schloss aus Glas *****

Jeannette Walls hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche New Yorker Journalistin mit einem Apartment auf der 6th Avenue. Als sie eines Tages im Taxi sitzt, beobachtet sie, wie ihre Mutter nach Essensresten einen Mülleimer durchwühlt.

Hier beginnt ihre autobiografische Geschichte. Sie erzählt von einer abenteuerlichen Kindheit voller Freiheiten für Jeannette und ihre Geschwister, von großen Lebensträumen, denen die Eltern hinterherjagen, von unzähligen Umzügen, aufregenden Fluchten, aber auch von ständiger Armut, Hunger und Kälte.

Das war nach mehreren guten Büchern, die ich gelesen habe, endlich mal eines, das mich auch tief bewegt und nachhaltig beeindruckt hat. Zum einen war ich fasziniert von der Kreativität der Eltern, wenn mal wieder kein Geld da war. Zum anderen war ich zutiefst erschrocken darüber wie unverantwortlich und egoistisch Eltern sein können. Die Mutter ist entweder in einer depressiven Phase oder auf einem ihrer künstlerischen Selbstfindungstrips. Der Vater versäuft nicht nur das klägliche Einkommen, sondern bestiehlt auch noch die eigenen Kinder.

Trotz aller Missstände ist der Roman frei von Bitterkeit und erhobenem Zeigefinger. Jeannette Walls dankt ihren Eltern sogar für das was sie ist. Man fühlt wie sie – auch wenn sie inzwischen ihr eigenes, besseres Leben lebt – immer das Kind ihrer Eltern bleiben wird, das tief in ihrem Herzen an die Spinnereien des Vaters glaubt.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Nicolas Barreau – Eines Abends in Paris ****

Alain Bonnard betreibt das kleine Kino Cinema Paradis. Jeden Mittwoch läuft die Filmreihe Les Amours au Paradis zu der auch die Frau im roten Mantel kommt. Immer sitzt sie in der selben Reihe. Als Alain eines Mittwochs endlich all seinen Mut zusammennimmt und sie anspricht, verbringen sie einen wundervollen Abend und verabreden sich für die nächste Woche. Doch Alain wartet vergeblich. Die Frau ist spurlos verschwunden und er am Boden zerstört. Zur gleichen Zeit lernt er die Schauspielerin Solène Avril und den Regisseur Allan Wood kennen, die einen Film in seinem Kino drehen wollen. Das sorgt für einigen Wirbel in Alains sonst so ruhigem Kino und Leben. Außerdem muss er ja noch die Frau im roten Mantel finden…

Auch wenn mir dieses Buch mal wieder bewusst gemacht hat, dass ich schrecklich unromantisch bin, habe ich es doch von der ersten bis zur letzten Seite sehr genossen. Da spielt es schon fast keine Rolle mehr, dass ich nicht an Liebe auf den ersten Blick glaube, oder die Verknüpfung der Ereignisse etwas zuviel des Guten war. Das Buch verzaubert durch den hoffnungslosen Romantiker Alain, die Stadt Paris und das kleine verträumte Kino, in dem es kein Popcorn, keine Nachos oder riesige Softdrinks gibt.

Bildquelle: Piper Verlag