Rezension: Shelle Sumners – Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde ****

Das nenn ich mal einen Titel. Im Original heißt der Roman schlicht und einfach Grace grows. Um die Entwicklung von Grace geht es auch. Zufällig lernt sie im Treppenhaus den Musiker Tyler kennen, der die Hunde ihrer Nachbarin ausführt, und sich mit Auftritten in Bars durchschlägt. Von diesem Tag an schreibt Tyler für Grace wundervolle Songs und gewinnt damit ihr Herz. Als er seinen musikalischen Durchbruch hat, werden Grace‘ Gefühle auf eine harte Probe und ihr Leben auf den Kopf gestellt.

Die im Buch erwähnten Songs gibt’s als passenden Soundtrack, da der Musiker, der dahinter steckt niemand geringeres ist, als der Ehemann der Autorin. Ziemlich cleveres Marketing aber auch irgendwie süß.

Gefallen hat mir das Buch richtig gut. Ich mochte die Story, die Charaktere und die Aussicht auf ein Happy End. Natürlich gibt es bis dahin noch das ein oder andere Drama. Besonders Grace macht es Tyler nicht leicht. Immer wieder hat sie Zweifel an seinen Gefühlen.

Ich mag es ja sehr, wenn Bücher in Büchern erwähnt werden, was auch hier der Fall ist. So ist unter anderem an mehreren Stellen im Buch die Rede von Grace‘ Lieblingsbuch Wer die Nachtigall stört, was ich vor kurzem das erste Mal gelesen habe und sehr mochte.

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Jenny Han – To all the boys I’ve loved before ****

Dieses Buch habe ich im Flieger auf einer Dienstreise gelesen. Neben mir saßen zwei Frauen, die ebenfalls gelesen haben. Eine der beiden fand den Anblick, wie wir unsere Bücher und einen eReader auf dem Schoß hatten, so witzig, dass sie davon ein Foto gemacht hat. Aber auch abgesehen von diesem schönen Moment, habe ich das Buch über die drei Schwestern Margot, Kitty und die Ich-Erzählerin, Lara Jean, in vollen Zügen genossen.

Die Mädchen leben nach dem Tod der Mutter mit ihrem Vater allein in den USA. Deshalb trifft es sie besonders hart, als die Älteste von ihnen auf die Uni nach Schottland – ans andere Ende der Welt – geht. Vorher trennt sie sich allerdings von ihrem Freund Josh, der direkt nebenan wohnt und schon fast zur Familie gehört.

Aber auch Lara Jeans Liebesleben wird durcheinander gewirbelt. Nicht nur dass sie Gefühle für Josh hat, auch ihre intimsten Geheimnisse kommen ans Licht: Jedes Mal wenn sie heimlich verliebt ist, schreibt sie an den Jungen einen Abschieds-Liebesbrief um mit der Sache abzuschließen. Diese Briefe packt sie in ihre geheime Hutschachtel. Eines Tages sind die Briefe plötzlich nicht mehr in der Schachtel, sondern in den Briefkästen der Jungen.

Mein absoluter Liebling des Romans war allerdings nicht die Hauptprotagonistin Lara Jean, sondern ihre 9jährige Schwester Kitty. Sie ist frech, witzig, manchmal altklug und einfach nur süß. Auch die enge Bindung der Schwestern wurde wunderbar tiefgründig gezeichnet. Die Jungs spielen zum Glück nur eine Nebenrolle 🙂

Den Nachfolgeroman P.S. I still love you gibt es schon auf Englisch. Die deutsche Übersetzung erscheint 2017.

Bildquelle: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Rezension: Sarah Kuttner – Mängelexemplar ***

Manchmal kommt alles zusammen im Leben. So wie bei Karo. Sie verliert ihren Job in der Eventagentur und trennt sich von ihrem Freund Philipp, da ihr bewusst wird, dass die Beziehung nicht mehr läuft oder vielleicht noch nie gut lief. Als er ohne sie wunderbar klarzukommen scheint, verliert sie den Boden unter den Füßen. Plötzlich sind da nächtliche Panikattacken und Karo befindet sich wegen Depressionen in Behandlung. Während dieser Zeit sind ihr bester Freund Nelson und ihre Mutter für sie da. Als es Karo etwas besser geht, lernt sie den verständnisvollen Max kennen und die beiden werden ein Paar. Eigentlich könnte alles perfekt  sein, doch sie traut dem Frieden nicht. 

Ich finde es toll, dass das ernste Thema Depressionen so frisch und mit so viel Schwung beschrieben wird. Mir war es allerdings manchmal zu schwungvoll. Auch als Autorin scheint Sarah Kuttner die ewig schnatternde Moderatorin zu sein. So ist auch ihr Schreibstil. 

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

Rezension: Jane Austen – Stolz und Vorurteil *****

Wenn ich darüber nachdenke, welche Bücher ich vor 10-15 Jahre gelesen habe, die mich auch heute noch begeistern, fallen mir da nicht wirklich viele ein. Umso mehr bin ich von Stolz und Vorurteil (Pride and Prejudice) beeindruckt, das inzwischen mehr als 200 Jahre alt ist. Jane Austen schafft es mühelos einen in die Welt des endenden 18. Jahrhunderts zu entführen. In eine Zeit, in der es für Frauen oft nur einen Weg gab, ein freies und finanziell abgesichertes Leben zu führen: die Ehe mit einem wohlhabenden Mann. Deshalb müssen die fünf Töchter der Familie Bennet schnellstmöglich unter die Haube gebracht werden. Als auf dem nahegelegenen Anwesen der Junggeselle, Mr. Bingley, einzieht und sich auch noch für die älteste Tochter, Jane, interessiert, scheint das Glück zum Greifen nah. Doch sein bester Freund, Mr. Darcy, ist gegen diese Beziehung und so entspinnt sich ein Netz aus Vorurteilen, Intrigen und  verletztem Stolz, in das auch die zweitälteste Tochter, Elisabeth, hineingezogen wird. Die verliebt sich nämlich in den anfänglich arrogant wirkenden Mr. Darcy.

Es ist ein wohl offenes Geheimnis, dass es in Jane Austens Romanen immer ein Happy End gibt. Daher finden am Ende auch diese beiden Paare zueinander. Doch der Roman ist so viel mehr als ein Liebesroman. Er sprüht vor Witz und Ironie und nimmt mit den überspitzt dargestellten Charakteren die Gesellschaft aufs Korn. Allein die witzigen und zum Teil bissig ironischen Dialoge machen das Lesen lohnenswert.

Kurze Zeit später habe ich mir die Verfilmung aus dem Jahr 2005 mit Keira Knightley angesehen. Mein persönliches Highlight dabei war Judi Dench als Lady Catherine. Enttäuscht war ich allerdings von Simon Woods als Mr. Bingley. Ihn habe ich mir beim Lesen viel männlicher vorgestellt. Natürlich kann man in einem zweistündigen Film nicht den kompletten Roman unterbringen und doch hätte ich mir etwas weniger Hollywood-Romantik und etwas mehr ironische Gesellschaftsdarstellung erhofft.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Rezension: Jussi Adler-Olsen – Erbarmen****

Die Pressestimmen auf dem Buchumschlag versprachen einen todspannenden, grausamen Psychothriller. Das war das Buch überhaupt nicht und trotzdem hat es mich gefesselt. Es beginnt ganz harmlos. Auf den ersten 200 Seiten gibt weder eine Leiche, noch wird das Opfer gequält wie in vielen anderen Thrillern. Nur die beiden sich abwechselnden Erzählebenen bringen Spannung mit sich. Die eine Ebene beginnt im Jahr 2002, als Merete Lynggaard, dänische Politikerin, die sich seit dem Unfalltod ihrer Eltern um den behinderten Bruder kümmert, verschwindet. In der zweiten Ebene wird im Jahr 2007 das Sonderdezernat Q gegründet, das lediglich aus Vizekriminalkommisar Carl Mørck und seinem kauzigen Assistenten Assad besteht. Zusammen rollen sie alte, ungelöste Fälle neu auf. Ihr erster ist der von Merete. Im Gegensatz zu Carl und Assad weiß man als Leser, dass Merete nach all den Jahren zwar am Leben ist, ihre Zeit aber läuft.

Für mich war die Auflösung des Falls nicht das Spannendste sondern ich war vielmehr fasziniert von der engen Bindung der beiden Geschwister. Allein die Liebe zu ihrem Bruder hält Merete am Leben und lässt sie nicht den Verstand verlieren. Erbarmen ist der erste Thriller, der mich wirklich bewegt hat. Da das der Auftakt einer Reihe rund um das Dezernat Q ist, freue ich mich schon auf die folgenden Bände Schändung, Erlösung, Verachtung, Erwartung und Verheißung.

Bildquelle: dtv Verlagsgesellschaft