Rezension: Marlen Haushofer – Die Wand *****

Bei „Die Wand“ aus dem Jahr 1963 handelt es sich um ein sehr ruhiges aber auch beängstigendes Buch. Es geht um die Vergänglichkeit des Menschen, dessen Verhalten in Extremsituationen aber auch um Zivilisationskritik und wie sich plötzlich die Wertigkeit der Dinge ändert, sobald sich die Gesamtsituation wandelt. Plötzlich ist eine Packung Streichhölzer mehr wert als ein Auto.

Erzählt wird die Geschichte als rückblickender Bericht einer Frau, die ein befreundetes Paar auf dessen Jagdhütte in den Bergen besucht. Während sie früh schlafen geht, verbringt das Paar den Abend im Dorfgasthof. Als sie morgens aufwacht, sind ihre Freunde noch immer nicht zurück. Auf der Suche nach ihnen stößt sie auf eine gläserne Wand, die sich quer durch die Landschaft zieht. Alle Menschen auf der anderen Seite der Wand scheinen versteinert zu sein.

Als eine Art weibliche Robinson Crusoe, nur mit einem Hund, einer Kuh und einer Katze, ernährt sie sich zuerst von den vorhandenen Vorräten. Nach und nach lernt sie einen Kartoffelacker zu bestellen, Heu zu ernten, Wild zu schießen und ein Kalb auf die Welt zu bringen. Kenntnisse, die wir in der heutigen Zivilisationsgesellschaft verlernt haben. Dabei nimmt sie sich nur das, was sie braucht. Töten ist ihr eigentlich zuwider.

Aufgefallen ist mir, dass sie relativ wenig unternimmt um herauszufinden, ob es noch andere Menschen gibt. Es scheint als hätte sie sich schnell mit der Situation angefreundet, und ist sogar froh über die Mauer. Auch über ihre Vergangenheit, ihre Kinder und ihren Mann urteilt sie hart.

Schon am Beginn des Berichtes weiß man, dass es zu einer weiteren Katastrophe kommt, die sie zwar überlebt, trotzdem ist ihr nahendes Ende immer wieder spürbar, durch die Endlichkeit von Streichhölzern und Munition.

Ich habe Die Wand an einem verregneten Wochenende gelesen. Auch wenn ich nicht allein war, hat mich die Einsamkeit des Romans gefangen genommen. Noch nie war ich so froh am Montagmorgen auf Arbeit, unter Menschen, gehen zu können 🙂

Mit ein wenig Abstand, habe ich mir den Film angesehen und war etwas enttäuscht. Am Buch hat mich fasziniert wie sie sich den Gegebenheiten der Natur anpasst. Der Bericht ist geprägt vom Alltag mit harter körperlicher Arbeit. Action sucht man vergeblich, aber ich kann mich an eine Beschreibung eines aufziehenden Gewitters erinnern. Allein diese Situation war spannend wie ein Krimi. All die Feinheiten sind im Film leider auf der Strecke geblieben. Stattdessen wurde alles vom depressiven Bericht der Stimme von Martina Gedeck aus dem Off überlagert.

Bildquelle: List, Ullstein Buchverlage GmbH

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5 Gedanken zu “Rezension: Marlen Haushofer – Die Wand *****

  1. Teilweise ist das Buch auch autobiografisch. Ich habe vor Jahren einmal ein kleines Büchlein, aus Österreich, worin genau dieses Haus beschrieben wurde. Marlen Haushofer ist eine sehr interessante Autorin, in einer Literaturgruppe haben wir sie gemeinsam gelesen,

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