Rezension: Mhairi McFarlane – Vielleicht mag ich dich morgen ***

Wahrscheinlich kennt jeder die ein oder andere Flachpfeife aus der Schulzeit, der man auch noch nach Jahren gern mal die Meinung geigen würde. Anna hat es besonders hart getroffen. Früher war sie dick und hässlich. Deshalb war sie das perfekte Mobbingopfer. Die überflüssigen Pfunde hat sie inzwischen verloren, doch an Selbstbewusstsein wenig gewonnen. So traut sie sich auch nur zögerlich zum Klassentreffen. Als sie dort auf ihren größten Peiniger, James, und dessen besten Freund trifft und die beiden sie nicht erkennen, ergreift sie unter einem Vorwand die Flucht. Kurze Zeit später treffen Anna und James erneut aufeinander. Nach anfänglichen Reibereien verstehen sie sich immer besser. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die Vergangenheit einholt.

Wer leichte Chick Lit mag, ist hier genau richtig: Das hässliche Entlein wird zum schönen Schwan, und das Ekel aus der Schule entpuppt sich als netter Kerl. Mir kam die Wandlung allerdings etwas plötzlich. Auch die Entwicklung der Charaktere war für mich nicht erkennbar. Beide waren zwar sympathisch, blieben aber das gesamte Buch über ziemlich eindimensional und farblos.

Rezension: F. Scott Fitzgerald – Die Straße der Pfirsiche *****

1.900 km in einem klapprigen Auto – nur um ein paar Biscuits und Pfirsiche zu essen – das nenne ich mal spontan. Weil  Scotts Ehefrau Zelda Lust darauf hatte, packten beide in Westport, Connecticut ihre Sachen und machten sich auf die abenteuerliche Reise nach Montgomery, Alabama: Zeldas Heimat. Das wohl berühmteste Jet-Set-Paar der wilden Zwanziger Jahre, Francis Scott Fitzgerald und seine Ehefrau, übernachtete auf seinem Roadtrip in noblen Hotels, wurde beinahe Opfer eines Überfalls, bestach einen Polizeibeamten und verbrachte fast genauso viel Zeit in Autowerkstätten wie auf der Straße. Deshalb lautet auch der viel passendere Originaltitel dieser Kurzgeschichte „The Cruise of the Rolling Junk“, wie beide ihr mehr als betagtes Auto nannten.

Mit seinen 89 Seiten ist dieses Buch nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig und macht Lust auf spontane Reisen, aufregende Abenteuer und weist uns gleichzeitig augenzwinkernd darauf hin, kleine Missgeschicke positiv zu sehen, und das Leben nicht allzu ernst zu nehmen.

Bildquelle: Aufbau Verlag

Bücherschnack – Sommerklassiker

Es gibt Bücher, die liest man faul in der Sonne einfach so weg. Man hat ein paar vergnügliche Lesestunden mit ihnen und danach sind sie vergessen. Sommerflirts sozusagen 🙂 Und dann gibt es diese ewigen Sommerlieben, Bücher auf die man – sobald die Temperaturen steigen – wieder Lust bekommt. Bücher in die man sich jedes Jahr aufs Neue verliebt. Bei mir sind das:

Kurt Tucholsky – Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte

In der Erzählung aus dem Jahr 1912 verbringt das junge, unverheiratete Paar Claire und Wolfgang aus Berlin ein Wochenende im brandenburgischen Rheinsberg. Getarnt als Ehepaar verbringen sie ein paar aufregende Tage fern vom grauen Berliner Alltag und nehmen auf spritzig, ironische Weise die Spießigkeit der damaligen Zeit aufs Korn.

Truman Capote – Sommer Crossing

Auf Deutsch „Sommerdiebe“ wurde erst im Jahr 2005, nach Capotes Tod, veröffentlicht. Der Roman spielt in New York City in den 1940er Jahren. Die 17-jährige Grady, aus reichem Elternhaus, verbringt den Sommer allein in Manhattan, da ihre Eltern sich auf einer Schiffsreise in Europa befinden. Zufällig lernt sie den 23-jährigen Clyde, Parkplatzwächter aus einer einfachen Arbeiterfamilie in Brooklyn, kennen. Beide verlieben sich Hals über Kopf und verbringen einen aufregenden Sommer.

Elizabeth von Arnim – Verzauberter April

Vier Londoner Damen teilen sich in den 1920ern aus Kostengründen ein Ferienhaus in der Toskana. Mit viel Charme, Witz und Leichtigkeit verfolgt man was das Flair der Toskana mit ihnen anstellt. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Roman im April spielt. Sommerstimmung ist hier garantiert. Meine Rezension dazu gibt’s hier.

 

Bildquellen: Rowohlt Verlag, Pinguin Random House

 

 

Rezension: Marlen Haushofer – Die Wand *****

Bei „Die Wand“ aus dem Jahr 1963 handelt es sich um ein sehr ruhiges aber auch beängstigendes Buch. Es geht um die Vergänglichkeit des Menschen, dessen Verhalten in Extremsituationen aber auch um Zivilisationskritik und wie sich plötzlich die Wertigkeit der Dinge ändert, sobald sich die Gesamtsituation wandelt. Plötzlich ist eine Packung Streichhölzer mehr wert als ein Auto.

Erzählt wird die Geschichte als rückblickender Bericht einer Frau, die ein befreundetes Paar auf dessen Jagdhütte in den Bergen besucht. Während sie früh schlafen geht, verbringt das Paar den Abend im Dorfgasthof. Als sie morgens aufwacht, sind ihre Freunde noch immer nicht zurück. Auf der Suche nach ihnen stößt sie auf eine gläserne Wand, die sich quer durch die Landschaft zieht. Alle Menschen auf der anderen Seite der Wand scheinen versteinert zu sein.

Als eine Art weibliche Robinson Crusoe, nur mit einem Hund, einer Kuh und einer Katze, ernährt sie sich zuerst von den vorhandenen Vorräten. Nach und nach lernt sie einen Kartoffelacker zu bestellen, Heu zu ernten, Wild zu schießen und ein Kalb auf die Welt zu bringen. Kenntnisse, die wir in der heutigen Zivilisationsgesellschaft verlernt haben. Dabei nimmt sie sich nur das, was sie braucht. Töten ist ihr eigentlich zuwider.

Aufgefallen ist mir, dass sie relativ wenig unternimmt um herauszufinden, ob es noch andere Menschen gibt. Es scheint als hätte sie sich schnell mit der Situation angefreundet, und ist sogar froh über die Mauer. Auch über ihre Vergangenheit, ihre Kinder und ihren Mann urteilt sie hart.

Schon am Beginn des Berichtes weiß man, dass es zu einer weiteren Katastrophe kommt, die sie zwar überlebt, trotzdem ist ihr nahendes Ende immer wieder spürbar, durch die Endlichkeit von Streichhölzern und Munition.

Ich habe Die Wand an einem verregneten Wochenende gelesen. Auch wenn ich nicht allein war, hat mich die Einsamkeit des Romans gefangen genommen. Noch nie war ich so froh am Montagmorgen auf Arbeit, unter Menschen, gehen zu können 🙂

Mit ein wenig Abstand, habe ich mir den Film angesehen und war etwas enttäuscht. Am Buch hat mich fasziniert wie sie sich den Gegebenheiten der Natur anpasst. Der Bericht ist geprägt vom Alltag mit harter körperlicher Arbeit. Action sucht man vergeblich, aber ich kann mich an eine Beschreibung eines aufziehenden Gewitters erinnern. Allein diese Situation war spannend wie ein Krimi. All die Feinheiten sind im Film leider auf der Strecke geblieben. Stattdessen wurde alles vom depressiven Bericht der Stimme von Martina Gedeck aus dem Off überlagert.

Bildquelle: List, Ullstein Buchverlage GmbH

Rezension: Mechthild Gläser – Die Buchspringer *****

Was gibt es schöneres als ein großartiges Buch? Ein großartiges Buch, das von Büchern handelt. Und das ist „Die Buchspringer“ ohne Zweifel. Vom ersten bis zum letzten Satz spürt man Mechthild Gläsers Liebe zur Literatur. Verkörpert wird diese Liebe von der (fast) 17-jährigen Amy, die mit ihrer Mutter die Sommerferien auf der schottischen Insel Stormsay verbringt. Dort erfährt Amy, dass sie die Gabe hat in Bücher zu springen. Sie freundet sich mit dem jungen Werther an, schenkt Oliver Twist Kekse und Kaugummi und reitet auf Schir Khans Rücken durchs Dschungelbuch. Als die Geschichten plötzlich durcheinandergeraten, gibt es nur einen Ausweg: Amy und ihre Freunde müssen den Übeltäter finden. Nur so können sie die Welt der Literatur retten.

Obwohl es sich hierbei um eine Kinderbuch handelt, das der Verlag ab 12 Jahren empfiehlt, habe ich mich auch mit Anfang 30 wunderbar unterhalten gefühlt. Die Idee, durch dieses Buch vielleicht bei dem Ein oder Anderen die Lust aufs Lesen der erwähnten Bücher zu wecken, ist großartig. Die Bücher muss man übrigens nicht kennen, um der Geschichte folgen zu können. Aber da es auch nicht schaden kann, sind hier die erwähnten Werke 🙂

Titel Autor
Sherlock Holmes Sir Arthur Conan Doyle
Momo Michael Ende
Stolz und Vorurteil Jane Austen
Anna Karenina Leo Tolstoi
Pippi Langstrumpf Astrid Lindgren
Ronja Räubertochter Astrid Lindgren
Der Zauberer von Oz Lyman Frank Baum
Die unendliche Geschichte Michael Ende
Das Dschungelbuch Rudyard Kipling
Schneewittchen Gebrüder Grimm
Don Quijote Miguel de Cervantes
Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde Robert Louis Stevenson
Die Leiden des jungen Werthers Johann Wolfgang von Goethe
Oliver Twist Charles Dickens
Macbeth William Shakespeare
Der gestiefelte Kater Gebrüder Grimm
Tausendundeine Nacht
Peter Pan James Matthew Barrie
Dornröschen Gebrüder Grimm
Das Bildnis des Dorian Gray Oscar Wilde
Der Erlkönig Johann Wolfgang von Goethe
20.000 Meilen unter dem Meer Jules Verne
Jane Eyre Charlotte Brontë
Die Frühlingsfeier Friedrich Gottlieb Klopstock
Heidi Johanna Spyri
Dracula Bram Stoker
Der kleine Prinz Antoine Saint-Exupéry
Ein Sommernachtstraum William Shakespeare
Die Verwandlung Franz Kafka
Sturmhöhe Emily Brontë
Die Odyssee Homer
Krieg und Frieden Leo Tolstoi
Rapunzel Gebrüder Grimm

Bildquelle: Loewe Verlag

Rezension: Ursula Poznanski – Fünf ****

Auf einer Kuhweide im Salzburger Land wird die Leiche einer Frau gefunden. Auf ihre Fußsohlen sind GPS-Daten tätowiert, die die Ermittler Beatrice und Florin zum nächsten Fundort führen. Dort erwartet sie eine abgetrennte, säuberlich verpackte Hand mit dem Hinweis auf ein weiteres Versteck. Damit beginnt ein Geocaching der besonderen Art.

Der Name Ursula Poznanski ist ja inzwischen in aller Munde. Deswegen bin auch ich in der Bibliothek über das Buch „Fünf“ gestolpert. Von der Idee einen Thriller mit Geocaching zu verbinden war ich sofort begeistert. Allerdings enttäuschte mich etwas wie plump der Leser in das Thema eingeführt wird. Die Ermittlerin hat keine Erfahrung mit Geocaching und bekommt einen jungen Kollegen an die Seite gestellt, der natürlich erfahrener Geocacher ist und sie in die Thematik einführt. Das zweite Klischee, das natürlich unbedingt erfüllt werden musste: die alleinerziehende Ermittlerin, die während des zeitraubenden Falls weder schlafen noch essen kann, Tag und Nacht arbeitet und keine Zeit für die Kinder hat. Geht’s nicht ein bisschen kreativer? Alles in allem hat mir das Buch ganz gut gefallen. Am Ende hat es sogar noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Die Auflösung des Falls ist sehr stimmig und auch die Verbindung zum Titel wird klar.

Abgerundet wird das Thema Geocaching im Nachwort. Dort erfährt man, dass es die genannten Orte mit leicht abweichenden Koordinaten wirklich gibt. In diesem Sinne: TFTB (Thanks for the Book).

Bildquelle: Rowohlt Verlag

Rezension: Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben ***

Der Roman von Paulo Coelho aus dem Jahr 1998 beginnt mit dem Selbstmordversuch der 24-jährigen Veronika. Weil sie von ihrem Leben ohne Höhen und Tiefen gelangweilt ist, nimmt sie eine Überdosis Schlaftabletten. Dieser Versuch scheitert jedoch und so erwacht sie in der psychiatrischen Klinik „Villete“. Dort teilt ihr der behandelnde Arzt mit, dass sie aufgrund der durch die Schlafmittel verursachten Herzschädigung nur noch 5-6 Tage leben wird. Das Wissen um den nahenden Tod und der Kontakt zu anderen Patienten erwecken plötzlich ganz neue Lebensfreude in ihr. Einer dieser Patienten ist Eduard, in den sich Veronika verliebt. Weil Eduards Eltern verlangten, dass ihr Sohn in die Fußstapfen seines Vaters tritt und Diplomat wird, dessen Herz jedoch für die Malerei schlägt, zog Eduard sich immer mehr zurück. Die Ärzte diagnostizierten schließlich Schizophrenie und brachten ihn ebenfalls nach Villete. Wer sich Paulo Coelhos Wikipedia-Eintrag  anschaut, erkennt schnell die autobiografischen Verbindungen besonders zur Figur Eduard. Auch Coelhos Eltern sahen ihren Sohn nicht als Schriftsteller und ließen ihn dreimal in die Psychiatrie einweisen.

In jeder Zeile des Buches konnte ich sein Gefühl und die eigenen Erfahrungen spüren. Trotzdem hat die Chemie zwischen mir und dem Buch irgendwie nicht gestimmt. Die Idee mit einem Selbstmord und dem Warten auf den eintretenden Tod zu beginnen finde ich grandios. Ab da zog sich das Ganze leider in die Länge. Auch wenn das Buch mit knapp über 200 Seiten sehr kurz ist, driftet es immer wieder ins Philosophische und in ewige Monologe ab.