Celeste Ng – Was ich euch nicht erzählte ***

Dieses Buch beginnt mit einem Knall. Lydia ist tot. Sie erscheint nicht am gemeinsamen Frühstückstisch. Schon am Ende des ersten Kapitels wird ihre Leiche im See gefunden. Damit ist nicht nur die eigentliche Handlung schon erzählt, sondern man steckt als Leser auch schon mitten in der Familiengeschichte. Rückblickend erzählen die Schwester Hannah, der Bruder Nath und die Eltern aus ihrer Sicht von Lydia. Jeder kennt ein anderes geheimes Detail ihres Lebens. Aber keiner scheint Lydia im Ganzen gekannt und verstanden zu haben. Auch die Beziehung der Eltern zueinander ist nicht die, die sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Als ich den Klappentext las, ging ich davon aus, dass das Buch darauf hinsteuert zu erfahren warum Lydia gestorben ist. Das tut es schließlich auch, nimmt auf dem Weg dahin jedoch zahlreiche spannende Abzweigungen. Man erfährt von der Kennlerngeschichte der Eltern, die erklärt wie Vater und Mutter aufgrund eigener Erfahrungen versucht haben Lydia zu beeinflussen und damit überforderten. Auch das krankhafte Aneinanderklammern der Geschwister hat seinen Teil dazu beigetragen. Alles in allem fügt sich über das gesamte Buch das Bild einer zerrütteten Familie zusammen.

Wirklich bewegt oder nachhaltig beeindruckt hat es mich allerdings nicht.

Bildquelle: dtv Verlagsgesellschaft

Kirsty Crawford – Das Glück nebenan *****

„Das Glück nebenan“ beschreibt das Leben dreier Nachbarinnen in einem kleinen verschlafenen englischen Ort in der Nähe von Oxford. Da ist Bella mit ihrem Mann Ian und den beiden Kindern. Bella zieht Ian zuliebe aufs Land, gibt ihren Job auf und widmet sich ganz der Familie. Da sie sich ihr Leben so nicht vorgestellt hat, wird sie immer unzufriedener mit der Beziehung und entwickelt Gefühle für den Nachbarn Ben. Der jedoch scheint das perfekte Leben mit Sam zu führen. Beide schwimmen im Geld und alles wäre wunderbar, wenn da nicht Bens Tochter aus erster Ehe wäre. Die dritte im Bunde ist Jane. Sie ist verwitwet, die Kinder sind erwachsen und so lebt sie ein zurückgezogenes Leben. Doch dann wirbelt der wesentlich jüngere Student Tom ihre geordnete Routine durcheinander. 

Auch wenn es in diesem Roman darum geht, dass im Leben die Dinge oft nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen, fühlt man sich trotzdem sofort wohl in der Geschichte und taucht in das Leben der Charaktere ein. Ich war gemeinsam mit Bella wütend auf Ian, habe mich mit ihr in Ben verliebt, habe Jane als reife Frau bewundert und innerlich über die Tussi Sam gelästert. Den perfekten Abschluss bildet das unerwartete Drama am Ende. Dieser Roman bietet wunderschön leichte Unterhaltung für sonnige Tage am See ohne seicht zu sein.

 

Bücherschnack – Fehler in Büchern

Weil ich mich in den vergangenen Tagen massiv über die Fehler in einem Buch geärgert habe, musste ich – für mein grammatikalisches Gewissen – den Verlag anschreiben. Ich erhielt auch prompt eine kurze Entschuldigungsmail mit folgender Erklärung:

„Selbstverständlich werden alle Bücher, die in der Verlagsgruppe XY erscheinen, sorgfältig von einem Korrektor gelesen. Trotzdem kann es natürlich immer vorkommen, dass dieser etwas übersieht – beispielsweise, weil er so von der Geschichte begeistert ist, dass er die professionelle Distanz zum Text verliert. Dies soll die Fehler nicht entschuldigen – erklärt aber eventuell, wie es zu ihnen kommen kann.“

Wenn allerdings immer wieder derselbe Fehler übersehen wird, erweckt das bei mir den Eindruck, dass es sich hierbei um Unwissenheit und nicht um ein Versehen handelt.

Ich kann mich auch noch gut an ein Buch aus der Bibliothek erinnern. In dem hatte jemand mit Kugelschreiber „das“ zu „dass“ geändert. Normalerweise kann ich Beschriftungen und Unterstreichungen in Bibliotheksbüchern nicht gutheißen, aber in diesem Fall fand ich das sehr witzig.

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass man nach mehreren Stunden Korrekturlesen am Tag kleinere Tippfehler übersieht. Aber bei gravierenden Fehlern trübt das meinen Lesegenuss enorm.

Besonders häufig steigt mein Blutdruck wenn ich das Wort „wegen“ in Verbindung mit Dativ statt Genitiv sehe (wegen deM…). Auch schön ist die ständige Verwechslung von dasselbe und das Gleiche.

Bin ich pingelig? Haben die Fehler überhandgenommen? Ist der Einzug der Umgangssprache in die Literatur einfach der Lauf der Dinge? Stört euch das genauso?

Sebastian Fitzek – Passagier 23 ****

Nachdem ich meinen ersten Fitzek-Roman Die Therapie etwas sacken lassen habe, nahm ich mir Passagier 23 vor. Und ich wurde wieder nicht enttäuscht.

Fasziniert hat mich besonders die Entstehungsgeschichte des Romans. Fitzek wurde von einem Zeitungsartikel, der davon handelt, dass auf Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr ca. 23 Personen verschwinden, inspiriert. Selbstmord schien ihm dann aber doch zu einfach… Und so wird der Polizeipsychologe Martin Schwarz, der vor fünf Jahren Frau und Sohn auf einem Kreuzfahrtschiff verloren hat, wegen eines ähnlichen Falls an Bord der Sultan of the Seas gelockt. Diesmal handelt es sich um eine Mutter und ihre Tochter. Das Mädchen ist plötzlich vollkommen traumatisiert wieder aufgetaucht. Im Arm hatte sie den Teddy des verschwundenen Jungen.  

Die Story lässt einige Parallelen zu Die Therapie erkennen und wird wieder sehr spannend erzählt. So spannend und mit ineinander verstrickten Handlungssträngen, dass ich zwischenzeitlich fast den Überblick verloren hätte. Mit der Auflösung, die auch wieder einer Achterbahnfahrt, bei der man hin- und hergeworfen wird, gleicht, fügt sich aber alles zusammen.

Die Entscheidung, welches seiner Bücher ich als nächstes lesen soll, hat mir der Verlag abgenommen. Am Ende von Passagier 23 war nämlich eine Werbung für Der Nachtwandler, was unglaublich aufregend klang und demnächst auf meinem Nachttisch landen wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

Billie Letts – Where the Heart is *****

Where the Heart is oder auf deutsch Wo dein Herz schlägt war wohl die älteste meiner SuB-Leichen. Vor etwa 15 Jahren habe ich dieses Buch auf einem amerikanischen Flohmarkt erstanden. Warum ich es ungelesen quer über den Atlantik und danach von Wohnung zu Wohnung bei jedem Umzug mitgenommen habe, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich hat das schreckliche Filmcover seinen Teil dazu beigetragen. Das würde auch erklären warum sich John Irvings The Cider House Rules mit einem Foto von Tobey Maguire auf dem Cover ebenfalls noch auf meinem SuB befindet. Schade, dass einen ein seltsames Cover so abschreckt ein so großartiges Buch zu lesen. Da ich das Buch inzwischen verschenkt habe, ist hier das DVD-Cover abgebildet, das dem Buchcover sehr nahe kommt.

Mir fällt kein vergleichbares Buch ein, das mich mit einem ähnlich guten Gefühl zurückgelassen hat. Dabei deutete der Anfang des Buches gar nicht darauf hin. Die hochschwangere 17jährige Novalee wird von ihrem Freund und Kindesvater mit nur 7,77 Dollar in der Tasche in einem Wal-Mart fern von der Heimat zurückgelassen. Vollkommen auf sich allein gestellt lässt sie sich jeden Abend zum Übernachten dort einschließen. Über Nacht erlangt sie durch die Geburt ihrer Tochter Americus Nation im Supermarkt Berühmtheit. Sie bekommt ein Jobangebot, kann bei einer Freundin wohnen und erfährt zum ersten Mal Liebe und Zuwendung von Fremden, die zu Freunden werden. Auch mein Herz hat Novalee im Sturm erobert. Trotz aller negativen Erfahrungen hat sie immer das Positive gesehen, hat sich neue Ziele gesteckt, sich über die kleinen Dinge im Leben gefreut und ist an ihrem Schicksal gewachsen. Eines der wenigen Bücher, die man in jeder Lebenssituation lesen kann.

Bildquelle: Amazon.com

Bücherschnack – Faire Bewertung

Bücherschnack – weil ich nicht nur unheimlich gern lese sondern auch gern darüber rede. Hier ist Platz für alles was mit Büchern zu tun hat. Dabei wird es in regelmäßigen Abständen um Themen oder Fragen gehen, die mich gerade beschäftigen. Besonders freue ich mich, wenn ihr Themen in den Kommentaren anregt oder mir eine Mail schreibt.

 

Bevor ich diesen Blog begann habe ich meine gelesenen Bücher in einer Excelliste notiert. Auch dort gab es eine Bewertungsspalte in der ich die Bücher mit einem bis fünf Sterne bewertet habe. Fünf erschien mir genug Spielraum zu lassen. Mehr Sterne würde die Unterscheidung schon wieder zu fein machen. In meiner persönlichen Liste habe ich also ganz ohne Rechtfertigung bewertet. Schließlich wusste ich ja, warum mir dieses oder jene Buch besonders gut ober manchmal eben auch gar nicht gefiel. Als der Blog online ging musste ich mir überlegen, wie ich mit meiner Kritik umgehe. Nur weil ich persönlich ein Buch nicht mag, heißt das ja nicht, dass das Buch per se schlecht ist. Daher werde ich Bücher, die bei mir nicht gut angekommen sind, lediglich auf meiner Unterseite Lesejahre bewerten aber keine ausführliche Kritik schreiben. Jeder sollte sich schließlich seine eigene Meinung bilden.

Hier meine Kriterien:

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Einen Stern gibt es immer. Nicht nur der Autor hat sich wahnsinnig viel Arbeit gemacht und monate- bzw. sogar jahrelang an dem Buch gesessen. Auch die Arbeit des Lektorats, des Verlags, der Druckerei usw. verdienen meinen vollsten Respekt. Aber das Leben ist zu kurz um sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen nicht wirklich interessieren oder gar langweilen. Deshalb investiere ich meine Zeit stattdessen lieber in andere Bücher und zwinge mich nicht zum Durchhalten.

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Bücher mit zwei Sternen interessieren mich schon eher. Entweder handeln sie von einem tollen Thema und haben einen Schreibstil, mit dem ich nicht warm werde oder umgekehrt. Trotzdem möchte ich bei diesen Bücher wissen wie es weitergeht und lese sie bis zum Ende.

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Drei Sterne sind das Mittelfeld. Im Prinzip mag ich das Buch aber es wird wohl nicht hängen bleiben.

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Hier wird es schon spannender. Bücher, die ich mit vier Sternen bewertet habe, fesseln mich, bewegen mich oder haben mich auf irgendeine Weise beeindruckt. Oft kann ich diese Bücher nicht aus der Hand legen oder trauere ihnen ein wenig nach, sobald sie ausgelesen sind. Trotzdem vergebe fünf Sterne nicht leichtfertig. Schließlich könnte ja noch ein besseres Buch daherkommen…

 

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… wofür ich dann die fünf Sterne brauche. Die bekommen nur Bücher, die mich absolut mitreißen, von dem ich jedem erzählen möchte, die ich verschenke, ständig weiterempfehle und die einfach der Knaller sind.

 

Wie handhabt ihr das für euch, in euren Leselisten, Blogs oder auf Bewertungsportalen? Wie kritisch seid ihr?

Mirjam Kristensen – Ein Nachmittag im Herbst ***

Auch wenn sich die Handlung des Romans über einen längeren Zeitraum als einen Herbstnachmittag erstreckt, so lässt sich der Inhalt doch mit wenigen Worten zusammenfassen. Das norwegische Paar Rakel und Hans Olav machen Urlaub in New York City. Während eines Besuchs im Metropolitan Museum of Art, geht Rakel kurz zur Toilette. Als sie zurückkommt, ist ihr Mann verschwunden. In den folgenden Tagen versucht sie die Geschehnisse rund um sein Verschwinden zu rekonstruieren. Ihre anfängliche Verwunderung steigert sich zu Ungeduld, Panik und schließlich gelangt sie zu der Erkenntnis, dass er sie einfach verlassen hat. Der Erzählstil ist sehr nüchtern, sodass ich keine Sympathien für die Charaktere entwickeln konnte aber vielleicht erzeugt das gerade die überzeugend beklemmende Stimmung des Buches. Das Buch gehört definitiv nicht zu meinen Favoriten. Aber es hat mich nachdenklich gemacht. Darüber, was in einer Beziehung schief laufen muss, damit ein Partner sang und klanglos verschwindet.

Bildquelle: Dörlemann Verlag