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Rezension: Elizabeth von Arnim – Die Reisegesellschaft ****

Dieses Buch aus dem Jahr 1909 ist ein fiktionaler Reisebericht aus Sicht des Barons Otto von Ottringel. Dieser möchte zu Ehren seiner Silberhochzeit (zwanzig Jahre mit seiner ersten Frau, fünf Jahre mit der zweiten Frau) eine Reise machen. Da Ottringel für eine standesgemäße Reise zu geizig ist, schließt sich das Ehepaar einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an, die einen Monat mit Pferd und Wohnwagen durch Südengland zieht. Während sich alle trotz schlechten Wetters und aller Beschwerlichkeit, die solch eine Tour Anfang des 20. Jahrhunderts mit sich bringt, amüsieren, eckt der Selbstherrliche bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Neben seiner sonst so gehorsamen Frau, die während des Urlaubs langsam aufblüht, versucht er seine Mitreisenden zu erziehen und von seiner Sicht auf die Welt zu überzeugen. Die Ähnlichkeiten zwischen Ottringel und Elizabeth von Arnims Ex-Mann, einem preußischen Grafen, scheinen nicht ganz zufällig 🙂 und auch wenn das Buch schon mehr als 100 Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren. Unangenehme Zeitgenossen wie Ottringel wird es wohl leider immer geben.

Mindestens genauso unterhaltsam – aber statt ironisch bissig eher locker und leicht – ist von Arnims Bestseller Verzauberter April.

 

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Rezension: Cathleen Schine – Eine Liebe in Manhattan ****

Im Original heißt das Buch schlicht und einfach The New Yorkers und genau darum geht es auch. Von einer schmalzigen Liebesgeschichte keine Spur. Vielmehr geht es um Nachbarn einer Straße an der New Yorker Upper West Side. Wie in vielen Großstädten kennt keiner den anderen und doch sehnen sich alle danach Teil der Nachbarschaft zu sein und nach ein wenig Zusammengehörigkeit.

Da ist Jody, Ende 30 und unverheiratet, für die sich alles um ihre Hündin Beatrice dreht. Ihr Nachbar Everett mag Menschen nicht, ist geschieden und hadert damit, dass seine Tochter erwachsen ist und ohne ihn klarkommt. Simon, ein sehr zurückgezogener Mensch, freut sich das ganze Jahr auf seinen Jagdurlaub in Virginia. Die junge, lebensfrohe Polly kümmert sich statt um sich selbst nur um ihren Bruder George. George wiederum kümmert sich liebevoll um einen Hundewelpen. Überhaupt spielt das Thema Hunde eine große Rolle.

Stück für Stück werden so die Geschichten dieser New Yorker miteinander verknüpft, ohne dass ein roter Faden erkennbar ist. Viel mehr hat man das Gefühl stundenlang am offenen Fenster zu stehen und Polly, Jody, George und all die anderen amüsiert zu beobachten.

Bildquelle: www.cathleenschine.com

 

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Rezension: Don Winslow – Missing. New York ***

Wenn Kinder verschwinden, ist das im realen Leben unfassbar tragisch, in Thrillern jedoch sehr spannend. In diesem Roman verschwindet die 7-jährige Hailey beim Spielen, als ihre Mutter sie für einen kurzen Moment aus den Augen lässt. Kurze Zeit später wird ein weiteres Mädchen entführt. Von ihm wird schnell die Leiche gefunden. Doch dem Polizisten Frank Decker lässt Haileys Fall keine Ruhe. Lebt sie noch? Da die Polizei das Mädchen aufgegeben hat, kündigt er seinen Job und ermittelt auf eigene Faust quer durch die USA, bis die Suche ihn schließlich nach New York führt.

Frank Decker erinnerte mich ein wenig an Lucky Luke, den einsamen Cowboy, der für Recht und Ordnung sorgt und dabei auf seinen Job, seine Altersvorsorge und die Ehe mit seiner Frau Laura pfeift. Dieser Alleingang, der schon fast zum Selbstfindungstrip wird, nimmt so viel Raum ein, dass das eigentliche, ernste Thema nur sehr oberflächlich abgehandelt wird. Einige zeitliche Lücken und die schlechte – zum Teil wortwörtliche – Übersetzung mit seltsamen sprachlichen Wendungen trugen ebenfalls dazu bei, dass der Thriller eher durchschnittlich ist und mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

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Rezension: Keigo Higashino – Heilige Mörderin ****

Wer genug von skandinavischen Krimis mit wortkargen, versoffenen Kommissaren in der Midlife-Crisis und amerikanischen alleinerziehenden Detectives hat, deren Ehe wegen des Arbeitspensums auf der Strecke geblieben ist, dem kann ich diesen japanischen Krimi wärmstens empfehlen. Hier erfährt man nichts über das Privatleben der Ermittler und statt Alkohol wird Tee serviert. Auch Blut und eine verstümmelte Leiche sucht man vergeblich.
Stattdessen wird der Unternehmer Yoshitaka mit Arsen vergiftet. Kurz zuvor hatte er verkündet, dass er die Scheidung einreicht, da seine Frau Ayane keine Kinder bekommen kann. Das Motiv und die Täterin sind also von Anfang an bekannt. Doch Ayane hat ein wasserdichtes Alibi: sie war zum Zeitpunkt des Mordes nicht in der Stadt.
Obwohl ich von der eiskalten Einstellung des Opfers entsetzt war, konnte ich kein Mitgefühl für die Ehefrau empfinden. Da hatten sich zwei vom gleichen Kaliber gefunden. Auch für das Ermittlerteam Inspektor Kusanagi und seine Assistentin Utsumi kamen bei mir keine Sympathien auf. Doch das machte für mich den Reiz des Buches aus. Mit seinen sparsamen Beschreibungen blieb alles sehr unpersönlich und wenig emotional – so auch die Charaktere, die um jeden Preis Haltung wahren und keine Schwäche zeigen durften.

Bildquelle: Klett-Cotta Verlag

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Rezension: Sebastian Fitzek – Das Paket ****

Es scheint, als wäre Sebastian Fitzek, nach zehn Jahren mit immer wilderen Verstrickungen in seinen Psychothrillern, wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Wie schon im Jahr 2006 in „Die Therapie“ beschränkte er sich dieses Mal auf ganz wenige Handlungsorte und Protagonisten. Dafür ist die Story um die Psychiaterin Emma umso spannender. Schon als Kind litt sie unter Wahnvorstellungen. Als sie Jahre später in einem Berliner Hotel von einem gesuchten Serienmörder vergewaltigt wird und gerade noch entkommen kann, versinkt sie in tiefen Depressionen. Eines Tages gibt der Postbote ein Paket für einen Nachbarn, dessen Namen sie noch nie gehört hat, bei ihr ab. Ist der Mörder noch nicht fertig mit ihr oder ist die Krankheit aus Kindertagen wieder ausgebrochen?

Noch immer beherrscht Fitzek die hohe Kunst uns Lesern die Sicht zwischen Traum, Medikamenteneinfluss und Realität zu vernebeln. Immer wieder werden scheinbar belanglose Details erwähnt, um den Verdacht mal in die eine, mal in die andere Richtung zu lenken. Am Ende gibt es – wie üblich – eine riesige Kehrtwende.

Auch allen Skeptikern, die der Meinung sind, dass die letzten Thriller eher mittelmäßig waren, kann ich diesen Roman wieder guten Gewissens empfehlen.

Weitere von mir rezensierte Fitzek-Romane: Die TherapiePassagier 23Der Augensammler und Der Nachtwandler.

Bildquelle: www.sebastianfitzek.de

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Ein Wochenende voller Anna Kareninas

Weil ich Leo Tolstois Anna Karenina liebe und immer wieder gern lese, habe ich mir an einem kalten, verregneten Wochenende vier Verfilmungen davon angeschaut. Das macht knapp 8 Stunden voller Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und Dramatik in der russischen Adelsgesellschaft des 19. Jahrhunderts.

Die Älteste stammt aus dem Jahr 1935 mit Greta Garbo in Schwarz-Weiß. Es gibt viel russischen Gesang, was dem Film zum einen den passenden Schwermut verleiht, zum anderen spiegelt es die oberflächliche Freude der Oberschicht wider. Leidenschaft zwischen den Liebenden sucht man – der Zeit angemessen – vergeblich. Alles wird sehr subtil dargestellt. Auch die im Roman vorkommenden Nebenhandlungsstränge wurden auf ein Minimum reduziert.

In der zweiten Version von 1948 mit Vivian Leigh geht da schon eher die Post ab. Gleich in der Anfangsszene, als Anna Vronsky das erste Mal am Bahnhof sieht, knistert es zwischen den beiden. Als es zwischen ihnen schließlich zur Affäre kommt, versucht Anna gar nicht erst gegen ihre Gefühle anzukämpfen. Die Liebe zu ihrem Sohn hingegen scheint hier eine untergeordnete Rolle zu spielen. Kitty und Lewin, deren Geschichte ich in der Garbo-Version vermisst habe, sind hier wunderbar sympathisch und bilden ein süßes Paar.

Ein paar Jahrzehnte später, im Jahr 1997, kam die Verfilmung mit Sophie Marceau heraus. Hier mochte ich sofort die Detailverliebtheit. So werden zum Beispiel beim ersten Lesen der Bücher die Seiten aufgeschnitten. Auch emotional geht der Film aufs Ganze. Anne versucht ehrhaft und ihrem Mann treu zu sein. Als sie schließlich von Vronsky schwanger ist und dieser verlangt, dass sie sich von ihrem Mann trennt, befürchtet sie ihren Sohn Aljoscha nie wieder zu sehen und erleidet eine Fehlgeburt. So muss Anna die bittere Erfahrung machen, dass sie als Frau von nun an von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Ihr Bruder hingegen, der seine Frau ebenfalls betrog, erhält Absolution. Vronskys Mutter bringt es auf den Punkt: „Eine Affäre innerhalb der höchsten Kreise verleiht einem brillanten, jungen Mann den letzten Schliff.“

Die wohl eigensinnigste Verfilmung ist die aus dem Jahr 2012 mit Keira Knightley. Diese erinnert sehr an ein Theaterstück, bei dem das häufig wechselnde Bühnenbild und die Kostüme die Hauptrolle zu spielen scheinen. Das nimmt dem Ganzen leider etwas den ursprünglich ernsthaften Charakter. Schließlich geht es um den Untergang einer Frau, die ihren Gefühlen nachgab.

Insgesamt gibt es laut Wikipedia im Moment 13 Verfilmungen. Mein klarer Favorit ist die mit Sophie Marceau. Welche mögt ihr am liebsten?

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Bücherschnack – Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 ist fast vorbei. Für mich war es ein erfolgreiches Lesejahr. Nicht weil ich soundso viele Bücher gelesen habe, sondern weil ein paar Bücher dabei waren, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Jedes auf seine eigene Weise. Wenn ihr also noch Lesefutter für 2017 sucht, hier sind meine Favoriten:

Weil ich von der Protagonistin, einem jungen, ehrgeizigen, starken Mädchen, beeindruckt war, und mich das Buch dazu gebracht hat wieder mehr zu lesen.

Aus den Jahren 1922 bzw. 1813 und damit die ältesten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Beide fand ich – besonders wegen der Schreibstile und der Frauenpower – richtig klasse.

Das Buch hat in dem Moment großartig in meine Lebensphase gepasst. Es geht um Stil, zeitlose Eleganz, Versuchungen und die eigenen Ansprüche.

Mit Fitzek habe ich einen tollen (für mich) neuen Thrillerautor entdeckt. Nach „Die Therapie“ folgten noch einige mehr. Momentan lese ich gerade voller Spannung „Das Paket“.

Mein Wohlfühlbuch dieses Jahr. Ein Buch in dem man sich sofort zuhause fühlt und nach dem Ende das Gefühl hat gute Freunde verloren zu haben.

Ein sehr spezielles Buch. Eine Frau ist plötzlich ganz auf sich allein gestellt in einer Berghütte.

Eine erfrischende Sommergeschichte, die Lust auf spontane Abenteuer macht.

Dieses autobiografische Buch erzählt von einer aufregenden Kindheit und der schwierigen Beziehung zu einem alkoholkranken Vater und zu einer Mutter, die sich in einer ständig andauernden Selbstfindungsphase befindet.

Auch hier geht es um das Schicksal eines kleinen Mädchens. Die Mutter verlässt ohne eine Wort die Familie. Niemand weiß, ob sie freiwillig gegangen, oder ob ihr etwas zugestoßen ist.

Obwohl ich dieses Jahr relativ abwechslungsreich gelesen habe, mochte ich drei zentrale Themen am meisten: Kinderschicksale, starke Frauen (Charaktere und Autorinnen) und Thriller (speziell Fitzek). Wie ist es euch ergangen? Wie war euer Lesejahr?

Schon jetzt wünsche ich allen Büchernerds tolle Lesestunden.