Das Rosie-Projekt_Fischer Verlag

Rezension: Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt *****

Don Tillman, 39 Jahre alt, hochintelligent, sportlich, Genetikprofessor, hat für alles im Leben einen genauen Plan: Sport, Nahrungszubereitung und- aufnahme, Partnerwahl – keine Überraschungen. Um die Effektivität bei der Partnersuche zu erhöhen, hat er einen 16-seitigen Fragebogen erarbeitet. Doch dann trifft er auf Rosie, die ihn, als Genetiker, um Hilfe bei der Suche nach ihrem biologischen Vater bittet. Als Partnerin entspricht sie keiner der Kriterien, doch sie löst etwas vollkommen Neues in ihm aus: Gefühle. Damit muss er erstmal zurechtkommen.

Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, dass mich so amüsiert hat. Don ist unfreiwillig lustig und tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Gleichzeitig ist er aber auch unerwartet erfolgreich durch sein Anderssein. Trotz aller Komik gewinnt man einen guten Einblick in seine Welt und versteht, dass es für ihn nicht immer einfach ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, Sarkasmus zu verstehen, Mimik zu lesen, Gesprächspartner überhaupt anzusehen oder nicht zu lange anzustarren. All das muss er mühevoll auswendig lernen, weil ihm das Gespür dafür fehlt. Sheldon Cooper und er würden sich bestimmt gut verstehen:)

Bildquelle: S. FISCHER Verlag GmbH

 

Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr - Rowohlt Verlag

Rezension: Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr ***

Weil (gefühlt) jede Frau dieses Buch gelesen hat, und der Film vor kurzen in die deutschen Kinos kam, wollte auch ich mich nicht länger dem Hype entziehen. Bis dahin hatte ich nur Positives gehört. Das wurde noch einmal bestätigt, als ich die ersten Seiten des Romans in einem Café las. Die Kellnerin erzählte mir, wie begeistert sie davon war. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Es geht um Will, der im Rollstuhl sitzt. Vor seinem Unfall war er erfolgreich im Job, im Sport und bei den Frauen. Geblieben ist ihm nur das Geld und sein Entschluss dieses Leben, das für ihn keins mehr ist, zu beenden. Dafür hat er in sechs Monaten einen Termin in der Schweiz. Seine Eltern, die ihn davon abhalten wollen, heuern die beruflich erfolglose – aber lebenslustige und unkonventionelle – Louisa an. Sie soll ihn von der L(i)ebenswertigkeit des Lebens überzeugen.

Die Story erinnerte mich an „Ziemlich beste Freunde“. Leider hat sie nicht mehr zu bieten, als das typische Szenario in dem der Hauptprotagonist im Rollstuhl sitzt: er ist reich, hadert mit seinem Schicksal und ist dementsprechend kratzbürstig. Im Lauf der Zeit gewinnt jedoch der Pfleger sein Herz. Ziemlich abgenudelt wie ich finde. Auch die wechselnden Erzählperspektiven wirken etwas hölzern, so als versuchte die Autorin krampfhaft durch zusätzliche Einblicke die Story voranzutreiben.

Ich hatte bis dahin also nichts verpasst:)

Bildquelle: Rowohlt Verlag

Adriana Trigiani - Der beste Sommer unseres Lebens

Rezension: Adriana Trigiani – Der beste Sommer unseres Lebens ****

Weil „Lucia, Lucia“ von der relativ unbekannten Autorin – Adriana Trigiani – eines meiner Lieblingsbücher ist, lag „Der beste Sommer unseres Lebens“ relativ lange auf meinem SuB. Ich wollte einfach nicht enttäuscht werden. Doch diese Angst erwies sich im Nachhinein als vollkommen unbegründet.

Die Autorin ist die Tochter italienischer Einwanderer und in Big Stone Gap in Virginia aufgewachsen. Ihre Wurzeln merkt man dem Roman auch an. Sie haben keinen großen Spannungsbogen, sondern leben vielmehr von den zahlreichen kleinen Nebenerzählsträngen. Als würde man auf einem italienischen Marktplatz sitzen und das Treiben beobachten.

Der beste Sommer unseres Lebens spielt also in einem kleinen verschlafenen amerikanischen Ort, in dem die Hauptprotagonistin, die 35-jährige Ave Maria, Ende der 70er Jahre eine kleine Apotheke betreibt. Nebenbei leitet sie die örtliche Theatergruppe und ist ehrenamtlich als Rettungsassistentin tätig. Befreundet ist sie mit dem Lehrer Theodore und der Fahrerin eines Büchermobils, Iva Lou. Aber das kann doch nicht schon alles im Leben gewesen sein? Also beschließt sie eines Tages alles hinter sich zu lassen und wird überrascht – vor allem von sich selbst.

Mir gefiel besonders das vermeintlich öde Kleinstadtleben mit all den liebevoll erzählten Geschichten rundum die einzelnen Einwohner von Big Stone Gap. Zum Ende des Buches gibt es eine kleine Lebenslektion und natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

Adriana Trigiani - Lucia Lucia

Als ich erwachte von Cynthia Swanson

Rezension: Cynthia Swanson – Als ich erwachte ****

Eines Morgens im Jahr 1962 erwacht Katharyn, genannt Kitty, als verheiratete Frau und Mutter dreier Kinder. Nur ist sie eigentlich Single und hat diese Familie noch nie gesehen. Nach und nach findet sie heraus, dass dieser Ehemann, Lars, sich vor langer Zeit auf ihre Kontaktanzeige gemeldet hatte. Zu mehr als einem Telefonat ist es damals nicht gekommen. So beginnt ein lustiges Was-wäre-wenn-Spiel, in dem der Roman abwechselnd das wache Singleleben und im Traum das Familienleben verfolgt. Schnell wird Kitty klar, dass es hinter beiden Fassaden bröckelt, und es DAS perfekte Leben und DIE richtige Entscheidung nicht gibt.

Die Autorin Cynthia Swanson schafft es wunderbar, einen ins Amerika der 60er-Jahre zu entführen. Es geht um Mode, die Musik der Zeit, es wird geraucht, Drinks gereicht und historische Ereignisse eingestreut. Besonders süß finde ich die Entschuldigung im Nachwort dafür, dass es in diesem Jahr in der „Denver Post“ keine Kontaktanzeigenspalte gab, über die die beiden sich hätten kennenlernen können. „Als ich erwachte“ ist nach „Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek das zweite von mir innerhalb kurzer Zeit gelesene Buch, das so gründlich recherchiert wurde. Beide Bücher kann ich nur wärmstens empfehlen.

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Sebastian Fitzek Der Augensammler Droemer Knaur

Rezension: Sebastian Fitzek – Der Augensammler ****

Sebastian Fitzek schafft es immer wieder aufs Neue mich zu verblüffen. Diesmal mit einem Buch, das rückwärts erzählt wird, samt umgekehrt nummerierten Seitenzahlen und Kapitelnummern – passend zum ablaufenden Countdown, der den Opfern des Augensammlers bleibt. Dieser spielt ein gemeines Spiel nach dem immer gleichen Muster. Erst ermordet er die Mutter der Familie und entführt das Kind. Dann bleiben dem Vater 45 Stunden um das Kind aus der Todesfalle zu retten. Bis jetzt ist das noch keinem gelungen. Und nicht nur das. Jedem Opfer fehlt das linke Auge. 

Als der Journalist Alexander Zorbach schließlich selbst als Verdächtiger gilt, taucht eine blinde Frau auf, die Visionen in die Vergangenheit – so glaubt sie – hat. 

Auch hier schafft es Fitzek mal wieder durch Cliffhanger am Ende der Kapitel nervenaufreibende Spannung zu erzeugen, und stellt zum Schluss wieder alles auf den Kopf. Neben der Spannung muss natürlich auch die gründliche Recherche über Blindheit lobend erwähnt werden. 

Ich bin gespannt wie es in Der Augenjäger weitergeht.

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Weitere von mir rezensierte Fitzek-Romane: Die Therapie und Passagier 23

 

Hoffnung

Rezension: Susanna Ernst – So wie die Hoffnung lebt ****

Als Katie und Jonah sich im Kinderheim kennenlernen, hatte ihnen das Schicksal, trotz ihres geringen Alters, bereits übel mitgespielt. Jonah hat seinen Vater nie kennengelernt und seine Mutter und Großmutter bei einem Brand verloren. Katies Vater hat in einem Eifersuchtsanfall die komplette Familie – bis auf Katie – ausgelöscht. Seit diesem schrecklichen Ereignis spricht Katie kein Wort mehr. Erst als Jonah eines Tages ins Heim kommt, kann er als Einziger zu ihr vordringen. Er gibt ihr die Sprache und das Vertrauen zurück. Doch dann schlägt das Schicksal aufs Neue erbarmungslos zu und bringt beide auseinander. Auch nach Jahren, beide sind längst erwachsen, kann Jonah Katie nicht vergessen, und begibt sich auf die Suche nach ihr.

Besonders die sich behutsam entwickelnde Freundschaft der beiden zutiefst verstörten Kinder hat mich nachhaltig berührt und hätte eigentlich zu einer 5-Sterne-Bewertung geführt, wäre da nicht das übertrieben dramatische und kitschige Ende.

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Rezension: Irène Némirovsky – Der Ball ****

Wie die Mutter, so die Tochter. Anders kann man die Beziehung der beiden Hauptprotagonistinnen nicht beschreiben.

Nachdem das Ehepaar Kampf durch Börsenspekulationen zu unerwartetem Reichtum gelangt ist, verspricht es sich, durch einen Ball, den es veranstalten will, auch den lang ersehnten gesellschaftlichen Aufstieg. Zweihundert Personen von Rang und Namen sind eingeladen. Nur die vierzehnjährige Tochter Anntoinette ist dabei im Weg. Besonders die Mutter fürchtet die Konkurenz durch ihre Tochter, und verweist sie für diesen Abend in die Rumpelkammer.

Die Erzählung hat nur knapp 90 Seiten, aber vielleicht macht gerade diese reduzierte Knappheit die Kälte und Demütigung der Mutter spürbar. So überrascht es auch nicht, dass Anntoinette auf Rache sinnt und dafür sorgt, dass der Abend zum Disaster wird, und den Aufstieg der Familie in die höhere Gesellschaft verhindert.

Auch wenn man in kurzen Erzählungen die Charaktere nicht näher kennenlernt, bleibt hier besonders der Hass und die Verachtung füreinander im Gedächtnis hängen.